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Was hat Selbstwirksamkeit mit Demokratie zu tun?

In der Pädagogik gibt es den Begriff der „Selbstwirksamkeit“.

Er beschreibt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – dieses „Das habe ich (alleine) geschafft!“-Gefühl, das hoffentlich auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, kennen. Für mich bedeutet Selbstwirksamkeit aber auch: „Ich kann selbst etwas bewirken.“ Es macht einen Unterschied, ob ich mich einbringe, ob ich da bin oder eben nicht. Genau diese Haltung ist eine wichtige Voraussetzung für Demokratiekompetenz.
Meine Aufgabe als Lehrkraft sehe ich daher darin, die Selbstwirksamkeit und andere Demokratiekompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu stärken. Doch wie schaffen wir das?

Demokratie ist eine erlernbare Kompetenz

Werfen wir zunächst einen Blick in den Referenzrahmen „Kompetenzen für eine demokratische Kultur“, der 2023 vom Europarat herausgegeben wurde. Er zeigt, welche Kompetenzen Menschen benötigen, um sich aktiv und verantwortungsvoll an einer demokratischen Gesellschaft beteiligen zu können.

Demokratie im Lehrplan

Was trägt unser Schulsystem zur Entwicklung demokratischer Kompetenzen bei? Und was haben Sie selbst aus Ihrer Schulzeit für Ihre eigene Demokratiekompetenz mitgenommen?

Wenn ich die Anforderungen des Referenzrahmens mit dem Lehrplan der landwirtschaftlichen Fachschulen vergleiche, nach dem ich am Bildungszentrum Pyhra unterrichte, lassen sich viele dieser Kompetenzen in unterschiedlichen Fächern wiederfinden – etwa in Ethik, Religion, Deutsch, Humanökologie und Politischer Bildung.

Die Fähigkeit zur Konfliktlösung deckt sich beispielsweise mit einer Lehrplankompetenz aus Humanökologie: „Ich kann mit Konflikten gewaltfrei umgehen.“ Im Deutschunterricht lernen Schülerinnen und Schüler unter anderem, zu Problemen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Stellung zu nehmen. Demokratiebildung findet nicht nur in einem einzelnen Fach statt, sondern fächerübergreifend.

Selbstwirksamkeit durch praktische Fertigkeiten

Ein interessanter Aspekt ist meines Erachtens auch die Methodik – also die Frage, wie wir lernen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entsteht meiner Erfahrung nach besonders dann, wenn das eigene Repertoire um praktische Fertigkeiten erweitert wird.

Vielleicht ist nicht jede Schülerin und jeder Schüler besonders begabt in Geometrie oder beim Erlernen der Bodensystematik. Dafür können sie möglicherweise besonders gut eine Abdrehprobe an der Drillsämaschine durchführen oder stellen sich bei der Joghurtproduktion in der schuleigenen Käserei sehr geschickt an.
Im Vergleich dazu, eine Seite im Fachbuch zu lesen, fühlt es sich auch deutlich selbstwirksamer an, ein Gewächshaus zu bepflanzen – weil der Unterschied zwischen vorher und nachher unmittelbar sichtbar ist. Wer solche praktischen Fertigkeiten an zwei oder drei Halbtagen in der Woche üben darf, spürt am eigenen Leib, wie viel er oder sie tatsächlich bewirken kann.

Genau darin liegt für mich ein wichtiger Beitrag von Bildung zur Demokratie: Junge Menschen erfahren, dass ihr eigenes Handeln Wirkung hat. Wer diese Erfahrung macht, entwickelt eher den Mut, sich auch in andere Bereiche einzubringen.

Sich einbringen und mitwirken

Aber Schule ist so viel mehr als Unterricht. Schule ist auch das, was dazwischen passiert.

Bei uns wird beispielsweise regelmäßig das Schulparlament abgehalten. Hier können die Klassensprecherinnen und Klassensprecher gemeinsam mit Lehrkräften und der Schulleitung über aktuelle Belange der Schule diskutieren und ihre Anliegen einbringen. Das Schulparlament wird von den Schülerinnen und Schülern gerne genutzt, um Veränderungen anzuregen. So können Jugendliche das Schulgeschehen aktiv mitgestalten und erleben unmittelbar, dass ihre Stimme etwas bewirken kann.

Eine weitere Möglichkeit, sich einzubringen, bietet der Schulsprengel, ein Verein von Schülerinnen und Schülern. Wichtig ist dabei zu wissen: Wir sind eine Internatsschule, die Freizeit findet unter der Woche also in der Schule statt. Zu Schuljahresbeginn finden demokratische Wahlen statt. Der gewählte Vorstand erarbeitet anschließend ein Jahresprogramm und setzt dieses gemeinsam um. Der Schulsprengel veranstaltet beispielsweise Tanzkurse, Wuzzlerturniere, Kreativitätswettbewerbe, Sensenmähkurse, Völkerballturniere und vieles mehr.

Ein Vorzeigeprojekt ist auch die Juniorfirma in der Fachrichtung Betriebs- und Haushaltsmanagement. Meistens hat ja die Lehrkraft den Plan, was wann und wie gemacht wird. In der Juniorfirma stehen hingegen die Ideen der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Sie entwickeln, produzieren und vermarkten ihr eigenes Produkt – heuer zum Beispiel Grillsaucen.

Bildung schafft Handlungsspielräume

Ich hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler nach drei Jahren am Bildungszentrum Pyhra nicht nur hervorragende fachliche Kompetenzen und zahlreiche lustige Erinnerungen an ihre Internatszeit mitnehmen. Ich wünsche mir auch, dass sie gelernt haben, ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und daran zu glauben, dass sie durch ihr Handeln einen Unterschied machen können.

Dann finden junge Menschen hoffentlich auch den Mut, aufzustehen und Veränderungen anzustoßen, anstatt in Apathie zu verfallen, weil sie denken: „Ich alleine mache eh keinen Unterschied.“

Ob Klimawandel, Politik oder gesellschaftliche Veränderungen – eine Demokratie braucht Menschen, die an sich und ihre Fähigkeiten glauben, sich einbringen und den Mut haben, Dinge mitzugestalten. Und unser Bildungssystem kann dazu beitragen, dass solche Menschen hervorgehen.

Das Bildungszentrum Pyhra ist eine landwirtschaftliche Fachschule in der Nähe von St. Pölten. Es gibt drei Fachrichtungen: Land- und Forstwirtschaft, Lebensmitteltechnik sowie Betriebs- und Haushaltsmanagement.

Die nächste Möglichkeit die Schule kennenzulernen gibt es hier (siehe Foto) - weitere Infos findet man auf der WEBSITE ...

veröffentlicht am 13.09.2026