Demokratie wächst im Wald
Warum die Waldkinder Maria Anzbach zu einer sozial-ökologischen Zukunft beitragen
Die Waldkindergruppe in Maria Anzbach ist so ein Ort, an dem die Kinder Natur nicht als Kulisse, sondern als lebendigen Lebensraum erleben. Unsere Kinder sind bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit draußen. Eingebettet am Waldrand nahe dem Häuselbach beginnt hier der Tag mit Vogelstimmen, dem Duft feuchter Erde nach einem Sommerregen, dem Rascheln der Blätter im Wind und dem Summen der Wildbienen.
Die Kinder bauen Hütten aus Ästen und Moos, kochen Waldsuppe aus Erde, Blättern und Blüten, sammeln Zapfen und Schneckenhäuser, beobachten Käfer und Ameisen und entdecken, dass selbst ein morscher Baum voller Leben steckt. Herkömmliches Spielzeug braucht es dafür nicht – die schönsten Spiele entstehen mit den Stöcken und Steinen, die bereits vor ihren Füßen liegen.
Mehr als nur „draußen spielen“ - Bildung für eine ökologische & demokratische Zukunft.
Die Vorteile für die individuelle und persönliche Entwicklung der Kinder liegen auf der Hand.
- Natürlicher und kostengünstiger Lernort: Unsere Kindergruppe wird bewusst mit einem sehr kleinen ökologischen Fußabdruck geführt und lebt einen achtsamen Umgang mit allen Ressourcen vor.
- Lebensqualität ohne Konsumzwang: Die Kinder erleben, dass Einfachheit Freiraum und Kreativität schafft – und dass ein respektvoller Umgang mit unserer Umwelt ganz selbstverständlich zum Alltag gehört.
- Primärerfahrungen: Statt aus Büchern zu lernen, erleben die Kinder Wind und Wetter, lernen sich an Witterung angepasst zu verhalten und zu kleiden, laufen über unebenen Waldboden und schulen ihre Körperwahrnehmung, genießen Bewegungsfreiheit und -vielfalt.
- Motorische Entwicklung: Klettern, Balancieren, Graben – die Natur bietet ein einzigartiges Trainingsfeld für Grob- und Feinmotorik und fördert die Kreativität.
- Soziale Kompetenzen: In unserer altersgemischten Waldkindergruppe werden die Kinder von Anfang an liebevoll begleitet Konflikte selbstständig zu lösen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und im Team zusammen zu arbeiten.
- Partizipation: Kinder werden aktiv in Entscheidungen einbezogen und lernen, Verantwortung für sich und ihre Umgebung zu übernehmen.
- Kooperation: Gemeinschaft und Teamwork gehören in der Gruppe von rund 15 Kindern zwischen 2,5 - 6 Jahren zum täglich Brot. Die Größeren helfen den Jüngeren und diese lernen schon früh ihre Fähigkeiten einzuschätzen oder auch um Hilfe zu bitten. Die Gruppe erlebt, was es heißt gemeinschaftlich zu handeln und aufeinander zu achten.
- Ökologische Grundbildung: Die Kinder begreifen natürliche Kreisläufe und erleben Biodiversität und ökologische Zusammenhänge hautnah. Sie begegnen tierischen Waldbewohner*innen ganz selbstverständlich und erleben die Vielfalt der Natur direkt und ungefiltert.
- Resilienz & Respekt: Der Umgang mit Herausforderungen in der Natur stärkt die psychische Widerstandskraft. Gleichzeitig entwickeln die Kinder einen tiefen Respekt vor der Natur und ihren Gesetzen.
- Ökologische Verantwortung: Wir sind überzeugt, dass die Kinder später das schützen, was sie schon früh schätzen gelernt haben. Sie erleben tagtäglich, dass jedes Lebewesen seinen Platz in der Natur hat, entwickeln Mitgefühl und übernehmen Verantwortung.
Vielfalt als Grundpfeiler der Demokratie
Die Waldkinder Maria Anzbach zeigen: Diese Form der elementarpädagogischen Bildung ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Kinder – und unserer Gesellschaft. Denn eine Gesellschaft, in der grundlegende Bildung wie Naturschutz und der Schutz unserer Lebensgrundlage zum Privileg wird, ist eine Gesellschaft, die ihre eigene Zukunft gefährdet. Demokratie lebt von Vielfalt – von unterschiedlichen Perspektiven, von Menschen, die kritisch, kreativ und vernetzt denken und gemeinsam Verantwortung
übernehmen.
Aus unserer Sicht geht es nicht darum, zu sparen, denn die sozialen und ökologischen Folgen werden unsere Gesellschaft in Zukunft noch weit mehr kosten als der Betrieb einer naturpädagogischen Einrichtung. Es geht darum, an den Orten zu investieren, an denen Naturverbundenheit und Demokratieverständnis wachsen und sich entwickeln können - so wie die Kinder im Wald entlang des Häuselbachs.
Wir stehen für eine Welt, in der jedes Kind weiß, wie nährend und essentiell unsere Natur für uns und alle Lebewesen ist. Für eine Welt, in der wir uns miteinander verbunden fühlen - über alle Grenzen und Unterschiede hinweg. Für eine Welt, in der wir gemeinsam erwachsen.
Marlene Günther - Obfrau des Vereins für Verbundenheit von Mensch und Natur, der die Waldkindergruppe
leitet. Nähere Infos und Kontakt: https://www.waldkinder-anzbach.at/ 0670/195 0088