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Weit mehr als richtige Mülltrennung

Kreislaufwirtschaft ...

... weit mehr als richtige Mülltrennung


Wenn wir über Kreislaufwirtschaft reden, reden wir auch immer über den sogenannten Ressourcenverbrauch. Für alle unsere Produkte und für unseren Konsum verwenden wir Ressourcen, die entweder aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, aber auch aus endlichen Ressourcen oder aus Mineralien, wenn man zum Beispiel an die Baustoffindustrie oder an Metalle denkt.

In der Kreislaufwirtschaft wird angestrebt, Ressourcen möglichst lange zu nutzen und im Kreis zu führen – also sie wieder und wieder zu verwenden –, bevor sie entsorgt werden.

Die Ressourcen, die wir für die Produktion von Gütern aller Art verwenden, gewinnen wir aus fossilen, mineralischen sowie erneuerbaren Quellen. Immer geht damit ein Eingriff in die Natur einher. In leider zu vielen Fällen führt dies zur Zerstörung des Lebensraums für Mensch, Tier und Pflanzen (Vergiftung von Böden und Gewässern, Versteppung landwirtschaftlicher Gebiete und vieles mehr). Besonders fossile Ressourcen wie Erdöl und Erdgas, die in Österreich kaum vorhanden sind, stehen dabei im Fokus, weil wir stark von Importen abhängig. Im Jahr 2025 gab Österreich rund 7,8 Milliarden Euro für den Import fossiler Rohstoffe aus. Dieses Geld fließt ins Ausland – es könnte aber auch im Inland für Wertschöpfung und nachhaltige Entwicklung eingesetzt werden.

Das ist eine warnende Information und die damit verbundene Abhängigkeit kann einem Angst machen. Deshalb möchte ich hier gerne mehr positive Gedanken hineinbringen und zeigen, wie wir den Ressourcenverbrauch so steuern können, dass wir daraus eine Stärke machen.

Die Kreislaufwirtschaft lässt sich anhand von Alltagsbeispielen gut erklären. Das Credo lautet etwa: reparieren statt wegwerfen, Mehrweg statt Einweg oder Dinge gemeinsam anschaffen beziehungsweise teilen, statt sie allein zu besitzen – wenn ich etwa an die gemeinsame Nutzung von Gartengeräten denke.

Es geht darum, Produkte so anzuschaffen, dass möglichst lange deren Wert erhalten bleibt. Die Kreislaufwirtschaft liegt also nicht in der alleinigen Verantwortung der Industrie, wo Produkte produziert und recycelt werden. Sie hängt sehr stark von unseren eigenen Entscheidungen ab: welche Qualität wir kaufen oder ob wir Dinge lange verwenden und wie wir dadurch unseren Ressourcenverbrauch gestalten. Gerade die ersten Schritte passieren im Kopf. Wir müssen die Bereitschaft entwickeln, weniger Konsumprodukte anzuschaffen, und – wenn nicht vermeidbar – langlebige, hochwertige Produkte zu kaufen, die sich gut reparieren lassen. Diese Vorgehensweise schont auch die Geldbörse – vor allem die Vermeidung von unnötigem Konsum kurzlebiger Waren. Was nicht länger genutzt werden kann, soll natürlich über die Altstoff-/Wertstoffsammlung getrennt entsorgt werden.

In Niederösterreich fallen pro Jahr 534 Kilogramm Abfall pro Person an (s. Abfallwirtschaftsplan NÖ 2024). Ein großer Teil davon wird getrennt gesammelt, dennoch bleibt ein erheblicher Anteil Restmüll (181 kg/EW/a). In diesem Restmüll befinden sich bis zu 30 % biogene Abfälle und nochmals rund 30 % Wertstoffe wie Kunststoff, Papier oder Metall, die eigentlich verwertet werden könnten. Somit bleiben nur etwa 30 % übrig, die tatsächlich Restmüll sind. Die gewissenhafte Trennung von Abfällen trägt zur Ressourcenschonung bei, weil die Abfälle dadurch gut rezykliert werden können. Wir können also noch deutlich mehr Maßnahmen zur Abfallvermeidung setzen, auch wenn sich viele bereits bemühen, ihre Müllmenge zu reduzieren. Besonders beim Bioabfall (182 kg/EW/a) zeigt sich Potenzial: Wie vorhin erwähnt, gelangen noch immer große Mengen in den Restmüll, obwohl sie kompostiert oder entsprechend in der braunen Tonne gesammelt zur Energiegewinnung in Form von Biogas oder zur Kompostierung genutzt werden könnten. Dadurch können biogene Reststoffe der lokalen Bevölkerung der Landwirtschaft als wertvolle Bodenverbesserer zur Verfügung gestellt werden.

Wie vorher schon kurz angesprochen: Den größten Hebel haben wir dabei selbst in der Hand – nämlich bei der Kaufentscheidung. Es hilft, sich zu überlegen, ob man ein Produkt wirklich braucht, bevor man es anschafft. Hochwertige Produkte haben dabei den Vorteil, dass sie oft reparierfähig sind. Wenn sie beim regionalen Händler gekauft wurden, hat man oft auch eine:n Ansprechpartner:in für die Reparatur vor Ort.

Neben den Gewerbebetrieben der Region bieten viele Initiativen in Gemeinden für die Kreislaufwirtschaft bereits Unterstützung, etwa durch Reparaturcafés. Auch Veranstaltungen wie Tauschmärkte oder Fahrradbörsen sind wichtige Beiträge zur Kreislaufwirtschaft. Diese Angebote werden oft als selbstverständlich wahrgenommen, sind aber zentrale Bausteine einer regionalen, ressourcenschonenden, im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltigen Wirtschaft.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, Dinge gemeinsam zu nutzen. In der Gemeinde kann man sich beispielsweise Gartengeräte oder kleinere Baumaschinen ausleihen, anstatt sie selbst zu kaufen. Auch in der Nachbarschaft lassen sich Geräte wie Anhänger, Häcksler oder Bohrmaschinen gemeinsam nutzen.

Ein weiterer wichtiger Ort für die Kreislaufwirtschaft ist das Wertstoffsammelzentrum. Der Name sagt es bereits: Hier werden keine Abfälle gesammelt, sondern Wertstoffe – also Rohstoffe. Deshalb ist es wichtig, die Trennung korrekt durchzuführen und sogenannte Fehlwürfe zu vermeiden. Nur so können Materialien hochwertig weiterverwertet werden.

Die Kreislaufwirtschaft basiert auf bekannten Prinzipien, den sogenannten „R-Strategien“. Früher sprach man von den drei R’s: Reduce, Reuse, Recycle. Heute wird dieses Konzept in drei Gruppen differenzierter betrachtet:

  1. Gruppe – intelligente Herstellung und Nutzung: Refuse, Rethink, Reduce
  2. Gruppe – Verlängerung der Lebensdauer: Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose
  3. Gruppe – Materialverwertung: Recycle und Recover

Das bedeutet: Recycling ist nicht der erste, sondern der vorletzte Schritt vor der Verbrennung und Rückgewinnung von Energie und mineralischen Bestandteilen. Davor sollte man also prüfen, ob ein Produkt vermieden, weiterverwendet oder repariert werden kann, bevor es ins Recycling kommt.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Kreislaufwirtschaft nicht nur ökologische Vorteile bringt, sondern vor allem wirtschaftliche. Wenn wir langlebige Produkte nutzen und Reparaturen in Anspruch nehmen, stärken wir regionale Betriebe. Gleichzeitig vermeiden wir die finanzielle Belastung durch die Anschaffung und den Ressourcenverbrauch für kurzlebige Produkte.

Ein gutes Beispiel ist die Waschmaschine: Ein hochwertiges Gerät hält länger, kann oft auch repariert werden und hat dadurch eine längere Lebensdauer. Das spart Ressourcen und stärkt gleichzeitig die regionale Wirtschaft.

„Weniger besitzen und mehr Leben“ kann ein Credo sein, um die Kreislaufwirtschaft für sich selbst voranzubringen. In der Vermeidung liegt ein großer Hebel für einen sparsamen und umweltschonenden Lebensstil, den nur wir selbst für uns realisieren können – dafür muss jeder vor seiner eigenen Türe des Konsums kehren.

https://www.ara.at/10r-der-kreislaufwirtschaft

Unsere Kooperation zum Reinhören

Wir in Neulengbach - der win-win Podcast für die Region


Folge 103 - Thomas Timmel

Was ist eigentlich Kreislaufwirtschaft? Vermeiden, verteilen, reparieren und recyclen in Neulengbach

Im April beginnt unsere fünfteilige Serie zu Kreislaufwirtschaft in Kooperation mit der Elsbeere-Zeitschrift!
In Teil 1 erklärt uns Thomas Timmel, was man eigentlich unter Kreislaufwirtschaft versteht. Er nennt uns eine große Bandbreite an Möglichkeiten in der Region, wie man Ressourcenverschwendung einerseits vermeiden, Produkte umverteilen und andererseits Abfall so trennen kann, dass möglichst viel wiederverwendet werden kann:

Reduzieren
Ressourcen schonen und Abfall vermeiden, indem man Einwegprodukte verzichtet - zum Beispiel 

  • Sauberhafte Feste: Geschirr mieten
  • Geräte, die man nicht häufig braucht, in der Nachbarschaft gemeinsam nutzen

Reparieren 
Produkte nicht wegwerfen, sondern reparieren - zum Beispiel

Umverteilen
Produkte, die man selbst nicht mehr braucht, anderen weitergeben - zum Beispiel

  • Flohmärkte in der Nachbarschaft nutzen
  • Willhaben "in der Nähe" Suche
  • Second-Hand Läden in der Region, wie Karina's Schätze

Recyclen

Thomas pendelt für seine Arbeit bei BioBASE nach St. Pölten. Sein win-win Deal ist es, einmal pro Woche die Strecke gemeinsam mit dem Fahrrad zu fahren. Thomas fährt von Mai bis Dezember meist dienstags um 6.30 von Au am Anzbach los. 

Als nächste Interviews schlägt er Burg(mit)besitzer Benedikt Wakonig und den ehemaligen Schmankerlwirten Johann Flois vor. 

Musik von Nver Avetyan via Pixabay. "Groove of Neulengbach" wurde mit udio.com erstellt. Sound Effekte von SergeQuadrado via Freesound.org und von Pixabay.

Foto Isabella Wagner  

03.04.2026 • aktualisiert am 04.04.2026