Grauwasser Recycling
Eine KI-Recherche
Mit einem Gastbeitrag (weiter unten) von DI Dr Stephanie Drli.
Technologische Lösungen in Europa
Membran-Bioreaktoren (MBR-Technologie): Der moderne Standard für Ein- und Mehrfamilienhäuser (z. B. Systeme wie AQUALOOP von SFC/Intewa, ACO oder Dehoust). Die Reinigung erfolgt zweistufig:
Biologischer Abbau: Aerobe Bakterien bauen organische Seifen- und Hautpartikel im Wasser ab.
Ultrafiltration: Extrem feine Membranfilter (Porengröße ca. 0,02 bis 0,05 Mikrometer) halten Schwebstoffe, Bakterien und Viren zurück. Das Ergebnis ist glasklares, geruchloses und hygienisch einwandfreies Wasser.
Kombinationssysteme mit Wärmerückgewinnung: Da Duschwasser warm ist (ca. 30 °C), entziehen moderne Hybridsysteme (z. B. von Strebel) dem Grauwasser zuerst die Wärme über Wärmetauscher, um damit das kalte Frischwasser vorzuwärmen, bevor das abgekühlte Wasser filtriert und in die Toilettenspülung geleitet wird.
Pflanzenkläranlagen / begrünte Fassaden: Für ländliche Bereiche oder ökologische Mustersiedlungen wird Grauwasser über dezentrale Schilf- und Bodenfilter biomechanisch gereinigt.
Grundsätzliche Installationsanforderungen
- Zuleitungsnetz (Grauwasser): Erfasst gezielt Abwasser von Duschen/Waschbecken und führt es zum Aufbereitungstank.
Verteilungsnetz (Betriebswasser): Pumpt das aufbereitete Wasser ausschließlich zu den Spülkästen der Toiletten, Waschmaschinen oder Gartenanschlüssen.
Wichtige Schutzbestimmung (DIN EN 1717): Es darf niemals eine direkte Rohreverbindung zwischen dem Trinkwassernetz und dem Betriebswassernetz bestehen. Falls der Grauwasserspeicher leer ist (z. B. weil niemand geduscht hat), speist ein automatisches Ventil Trinkwasser nach – jedoch streng über einen sogenannten freien Auslauf (Trinkwasser tropft mit Luftabstand in den Tank), um jedes Rücksaugen von Brauchwasser in das öffentliche Trinkwassernetz auszuschließen.
Nachträglicher Einbau (Retrofit im Altbau und Wohnhausanlagen)
Der nachträgliche Einbau stellt die größte Herausforderung dar, da in bestehenden Gebäuden Dusch- und Toilettenabwässer meist in demselben Fallrohr zusammenfließen. Es gibt jedoch praxiserprobte Wege zur Nachrüstung:
In Mehrfamilienhäusern erfolgt die Nachrüstung am wirtschaftlichsten im Rahmen einer Sanierung von Bad- und Steigsträngen:
In vorhandene Installationsschächte oder Stillstands-Kamine wird eine zusätzliche Abwasserleitung für Grauwasser gezogen.
Parallel wird ein zweites Steigrohr installiert, das die Spülkästen der Toiletten vom Keller aus versorgt.
Wenn das Verlegen neuer Rohrleitungen in den Keller baulich unmöglich oder zu teuer ist, kommen kompakte Indoor-Anlagen zum Einsatz:
- Diese Schrank-großen Module werden direkt im Bad oder einem angrenzenden Abstellraum installiert
- Das Dusch- und Handwaschbeckenwasser fließt direkt in die Kompaktanlage und bedient ausschließlich die Toilette derselben Wohneinheit.
Bei umfassenden thermischen Sanierungen von Wohnhausanlagen werden neue Grauwasser-Fallrohre oft außen an der Fassade unter der neuen Vollwärmeschutz-Dämmung verlegt. Das Grauwasser wird im Keller oder einem Außentank gesammelt, aufbereitet und zentral zurück zu den WCs gepumpt.
4. Umrüstung von Keller- und AußenbereichenDie Aufbereitungstechnik selbst (Tanks, Pumpe, Filter) ist modular aufgebaut und benötigt im Keller oft nur wenige Quadratmeter Grundfläche. Alternativ können die Tanks auch im Erdreich vor dem Gebäude versenkt werden.
Wirtschaftliche und ökologische Einordnung
Neubau vs. Altbau: Im Neubau oder bei der Vollsanierung amortisieren sich Grauwassersysteme durch die Ersparnis bei Trink- und Abwassergebühren rasch (in größeren Wohnanlagen oft in 4–8 Jahren). Im Altbau hängen die Kosten primär vom Aufwand ab, ein zweites Leitungsnetz nachträglich einzuziehen.
Wasserersparnis: Eine Grauwassernutzung senkt den Trinkwasserverbrauch in Haushalten um ca. 30 bis 50 %, da die Toilettenspülung statistisch für rund ein Drittel des täglichen Pro-Kopf-Wasserbedarfs verantwortlich ist.
Beispiele in Österreich
- Gründerzeithaus Kauergasse 2 (1150 Wien): Erstmals in Österreich wurde ein Gründerzeit-Altbau (31 Wohnungen, 4 Gewerbeeinheiten) bei der thermischen Sanierung nach EnerPHit-Standard mit einer voll integrierten Grauwasser-Verwertungsanlage ausgestattet. Das leicht verschmutzte Abwasser aus Duschen und Waschbecken wird aufbereitet und für die WC-Spülung, die Raumkühlung sowie die Bewässerung einer vertikalen Fassadenbegrünung genutzt. Das Projekt senkt den Trinkwasserverbrauch um rund 50 % und wurde mit dem Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA) ausgezeichnet.
Wohnanlage Anni-Stern-Gasse / Braunberggasse (Wien): Im Rahmen von Forschungsprojekten (Queen Gudrun II / GreenWATERRecycling) der BOKU Wien, Schöberl & Pöll und Industriepartnern wie Strebel wurde in dieser Wohnhausanlage die stoffliche und thermische Trennung von Grauwasser getestet. Das Dusch- und Waschwasser wird gereinigt, entzieht dem Wasser Wärme zur Kaltwasservorwärmung und versorgt anschließend WC-Spülungen und Pflanzenversuchsflächen.
Technologische Vorreiter: Österreichische Firmen wie SFC Umwelttechnik (Salzburg) entwickeln MBR-Systeme (Membranbioreaktoren) für Mehrfamilienhäuser und Hotels im In- und Ausland, um Trinkwassereinsparungen von bis zu 50 % zu realisieren.
Beispiele im europäischen Ausland
- Quartier "Jenfelder Au" (Hamburg, Deutschland): Eines der größten städtebaulichen Grauwasser-Projekte Europas mit rund 770 Wohneinheiten. Über den HAMBURG WATER Cycle wird Abwasser konsequent an der Quelle getrennt: Fäkalwasser (Schwarzwasser) wird mit Unterdruck gesammelt und zur Biogaserzeugung genutzt, während das Grauwasser aus Duschen und Waschtischen lokal gereinigt und für die Speisung von Quartiersteichen und Grünflächen genutzt wird.
"Block 6" in Berlin-Kreuzberg (Deutschland): Ein europaweites Pionierprojekt im Geschosswohnbau für rund 250 Bewohner. Das Grauwasser (hier sogar inklusive Küchenabwasser) wird in einem zentralen Wasserhaus im Innenhof dezentral gereinigt. Das Wasser versorgt die Toilettenspülungen der Anlage sowie ein Gewächshaus auf dem Dach (ROOF WATER-FARM) für hydroponischen Pflanzenanbau.
Innovationszentrum NEST / Eawag (Dübendorf, Schweiz): Das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag betreibt im Forschungsgebäude NEST den Water Hub. Dort werden neuartige Entkopplungssysteme für Grauwasser erforscht, darunter begrünte Fassadenmodule (FamoS), die Grauwasser im Vorbeigehen filtern, sowie direkt im Bad integrierte Dusch-Wärmerückgewinnungssysteme.
Sozialer Wohnungsbau in Bordeaux (Frankreich): Nach einer Lockerung der französischen Wassergesetzgebung im Jahr 2024 wurden in Bordeaux Mehrfamilienhäuser (ca. 100 Wohnungen) mit AQUALOOP-Membranfiltern ausgestattet, um Duschwasser direkt vor Ort für die Toilettenspülung aufzubereiten.
Diese Beispiele zeigen, dass Grauwasser-Recycling technologisch ausgereift ist und in Europa – begünstigt durch die Richtlinien der EU-Taxonomie für nachhaltiges Bauen – zunehmend vom Exoten zum Standard im Wohnbau wird.
Ein anschaulicher Bericht zeigt, wie die Region Murcia in Spanien als europäischer Vorreiter nahezu das gesamte Abwasser recycelt und so Dürreperioden erfolgreich trotzt: Spanien als europäischer Vorreiter beim Abwasser-Recycling.
Forschung, Projekte, Entwicklungen
1. Praxisbeispiele und Projekte in Österreich
- Grauwassernutzung in der Kauergasse 2 (Wien)
Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA): Ein detaillierter Projektbericht über das sanierte Gründerzeithaus in Wien, das den Trinkwasserverbrauch um 50 % senkt und Grauwasser für WC-Spülung und Fassadenbegrünung nutzt.
Link: https://staatspreis-anpassung.at/projekt/grauwassernutzung-in-der-kauergasse/ [1.2.1]
Innovationsnetzwerk "Grün statt Grau": Weiterer Bericht über die Umsetzung dieses Projekts im Rahmen von Forschungsvorhaben (Queen Gudrun II).
Link: https://gruenstattgrau.at/news/innovative-sanierung/ [1.2.2]
Neubau-Wohnhausanlage POG81 (Wien Donaustadt)
Hierbei handelt es sich um ein aktuelles Beispiel (64 Wohnungen), bei dem der österreichische Hersteller Strebel eine schlüsselfertige Grauwasser-Verwertungsanlage inkl. Wärmerückgewinnung in einem Neubau installiert hat [1.3.2].
Link: https://www.strebelwerk.at/portfolio-items/pog81/ [1.3.2]
2. Forschung und Entwicklung in Österreich
FFG Projektdatenbank: "GRAU für GRÜN-BLAU"
Ein brandaktuelles österreichisches Forschungsprojekt (Start: Anfang 2026), das die Nutzung von gereinigtem Grauwasser für städtische Grünräume und zirkuläre Wassernutzung untersucht [1.1.1, 1.1.2].
Link: https://projekte.ffg.at/projekt/5142948 [1.1.2]
Green Water Recycling (Nachhaltig Wirtschaften Österreich)
Ein umfassender, tiefgehender Forschungsbericht ("Thermische & stoffliche Grauwassernutzung") zur Anwendung in Mehrgeschosswohnbauten [1.1.3].
Link (PDF): https://nachhaltigwirtschaften.at/resources/sdz_pdf/schriftenreihe-2025-17-green-water-recycling.pdf [1.1.3]
3. Pionierprojekte in Europa
Block 6 / ROOF WATER-FARM (Berlin, Deutschland)
Berliner Regenwasseragentur: Hier wird das wegweisende Projekt im Berliner "Block 6" beschrieben. Dort wird das Grauwasser von rund 250 Personen (sogar inkl. Küchenabwasser) aufbereitet und für Toiletten sowie ein Gewächshaus auf dem Dach genutzt [1.4.1, 1.4.2].
Link: https://regenwasseragentur.berlin/inspirieren-lassen/projektdatenbank/roof-water-farm/ [1.4.2]
Nolde - innovative Wasserkonzepte: Die ausführende Technik-Firma beschreibt die Funktionsweise und das Update der Anlage im Jahr 2023 [1.4.1].
Link: https://innovative-wasserkonzepte.de/portfolio_page/block-6-grauwasserrecyling-inkl-kuechen-fuer-250-ew-2023/ [1.4.1]
HAMBURG WATER Cycle (Hamburg, Deutschland)
Detaillierte Informationen zum großen städtebaulichen Pilotprojekt in der "Jenfelder Au", bei dem auf Quartiersebene Abwässer getrennt und verwertet werden.
Quellen
https://www.ressource-deutschland.de/wasser/grauwassernutzung
https://www.bauen.de/a/grauwasser-nutzen-und-doppelt-sparen
https://staatspreis-anpassung.at/projekt/grauwassernutzung-in-der-kauergasse
https://gruenstattgrau.at/news/innovative-sanierung/
https://nachhaltigwirtschaften.at/resources/sdz_pdf/schriftenreihe-2025-17-green-water-recycling.pdf
https://www.isoe.de/projekt/kreis-innovative-stadtentwaesserung-in-der-jenfelder-au
https://www.intewa.com/de/referenzen/grauwassernutzung-im-sozialen-wohnungsbau-in-frankreich
Grau für Grün-Blau: Grauwasser im Kreislauf
Ein Gastbeitrag von DI Dr Stephanie Drlik
Die Grauwassernutzung ist eine Maßnahme zur Ressourcenschonung im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Wenn man das Grauwasser jedoch nur für die Toilettenspülung nutzt, ist der „Kreislauf“ nicht geschlossen, denn das überschüssige, nicht genutzte Grauwasser wird weiterhin im Kanal abgeführt. Und das ist meist sehr viel überschüssiges Grauwasser. Daher ist es wichtig den Überschuss zu versickern und so ins Grundwasser einzuspeisen. Dort wird eine Dotierung auf Grund sinkender Grundwasserpegel dringend benötigt. Die Einleitung kann über Bepflanzungen mit Erdkern erfolgen, der Bodenfilter filtert das Grauwasser nochmals. So wird ein mehrfach bereinigtes Nutzwasser zurück in den natürlichen Kreislauf gebracht.
Grauwasser zur Bewässerung:
Damit die Grauwassertechnologie zur Klimawandelanpassungsmaßnahme wird, nutzen wir das gereinigte Grauwasser zur Bewässerung von kühlenden Pflanzen (auf dem Grundstück und im öffentlichen Raum). Pflanzen und Bäume müssen nämlich heutzutage auch bewässert werden, um in künftigen Klimawandel-Szenarien mit langen Dürre- und Hitzeperioden klimaaktiv zu wirken. Evapotranspiration ist nur möglich, wenn Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt sind. Der Bewässerungsmix unserer Kommunen ist heutzutage zunehmend vulnerabel, denn er besteht meist aus Trinkwasser und Regenwasser, beides ist während Hitze und Dürre weniger verfügbar, auch Quellwasser wird nach der Gletscherschmelze knapper. Eine Bewässerungsquelle wie Grauwasser, die 365 Tage im Jahr gleichbleibend verfügbar ist, wäre da natürlich eine ideale Ergänzung.
Zum rechtlichen Rahmen:
Für die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser zur Grundwasserdotierung und Bewässerung gibt es auf EU-Ebene mit der Verordnung 2020/741 (Mindestanforderungen an die Wasserwiederverwendung) zwar einen Rahmen, Österreich hat jedoch derzeit von der Opt-out-Möglichkeit Gebrauch gemacht und sich somit einer Ratifizierung vorläufig entzogen. Für Projekte der Grauwassernutzung fehlt damit weiterhin ein klarer, praxistauglicher nationaler Rechts- und Genehmigungsrahmen.
Bedenken gibt es derzeit hinsichtlich landwirtschaftlicher Bewässerung, die ernst genommen werden müssen.
Die Nutzung von Grauwasser für WCs, Bewässerung von Straßenbäumen und Versickerung ins Grundwasser ist allerdings unumstritten und dringend überfällig.
Die Technologie ist längst ausgereift, warum geht in der Umsetzung nichts weiter?
Zur rascheren Umsetzung braucht es einen Rechtsrahmen, sowohl was den Einsatz von Grauwasser betrifft als auch für ein Roll-out im Bausektor. Länder wie Spanien oder Australien, wo Wasserknappheit schon lange ein massives Problem darstellt, haben die Grauwassernutzung in Bebauungsplänen verpflichtend vorgeschrieben. Solange der Einbau der Grauwassertechnologie hierzulande auf Freiwilligkeit beruht, ist das Rollout schwierig, da kein Bauträger freiwillig mehr investiert als nötig, zumal die Wertschöpfung der Investition in die Grauwassertechnologie nicht direkt beim Errichter, sondern bei den BewohnerInnen liegt, die von geringeren Betriebskosten profitieren. Mit dem neuen System der Energierückgewinnung aus Grauwasser, wird nicht nur ein Beitrag zur Wasserschonung, sondern auch zur Energieeinsparung geleistet. Das System überzeugt – auch InvestorInnen. Im voranschreitenden Klimawandel, der Energiekrise und einer dringenden Energiewende könnte sich nun bei der Umsetzung der Grauwassertechnologie schneller etwas bewegen, die Zeit ist jedenfalls mehr als reif.
DI Dr Stephanie Drlik, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur (ÖGLA)
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www.hausderlandschaft.at
Ressource Wasser
Die Bilder sprechen für sich: ausgedörrte Felder, vertrocknete Gärten und eine Landwirtschaft unter extremem Druck. Die Dürre im heurigen Jahr verdeutlicht, dass man sich auch in Österreich stärker mit Brauchwasser, Kreislaufnutzung und Wasserreserven beschäftigen muss.
„Wir müssen jetzt in Österreich nicht aus Abwasser Trinkwasser machen, weil wir genügend Trinkwasserressourcen haben", sagt Umweltingenieur Bernhard Pucher von der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien gegenüber noe.ORF.at. „Wir müssen Brauchwasser – also Toiletten-Spülwasser oder Gießwasser – ersetzen, um den Verbrauch von Trinkwasser nicht exponentiell in die Höhe zu schrauben.“
Umdenken bereits in vielen anderen Ländern
In anderen Ländern, die in der Vergangenheit schon öfter mit Dürreperioden zu kämpfen hatten, habe das Umdenken schon längst begonnen. Die Technologien für die hygienisch sichere Aufbereitung von Trink- sowie Brauchwasser seien vorhanden, betont Pucher.
Gerade bei neuen Wohnbauten sollte man laut Pucher in Österreich darüber nachdenken, diese mit entsprechenden Leitungssystemen für Grauwassernutzung (Grauwasser ist fäkalienfreies, leicht verschmutztes Abwasser; Anm.) auszustatten. Wer das jetzt versäume, verliere hier Jahrzehnte – denn ein Nachrüsten sei um ein Vielfaches teurer.
Der Umweltingenieur verweist auf Katalonien (Spanien), wo bereits 40 Gemeinden beschlossen hätten, Grauwasseranlagen in Neubauten vorzuschreiben. Aber auch im Hinblick auf die Landwirtschaft nennt Pucher Beispiele aus anderen Ländern, in denen die Nutzung von gereinigtem Brauchwasser schon jetzt normal ist.
„In Murcia in Südspanien wird das Gemüse, das auch nach Österreich kommt, mit gereinigtem Abwasser bewässert, das die EU-Mindeststandards einhält. Dort ist das Stand der Technik, weil sie sonst kein Wasser haben."
Keinen „Kollateralschaden im Gewässersystem“ erzeugen
Indirekt wird auch in Österreich gereinigtes Wasser bereits für die Bewässerung genutzt. Laut der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes Niederösterreich fließt geklärtes Wasser aus Kläranlagen schon jetzt über sogenannte Vorfluter – also Bäche und Flüsse – zurück in den Wasserkreislauf. Das Grundwasser wird so angereichert und steht in der Folge wieder zur Entnahme bereit.
Gerade in trockenen Regionen sei dieser Rückfluss ökologisch unverzichtbar, meint Gewässerökologe Thomas Hein von der BOKU Wien. „Wenn Kläranlagen das gereinigte Wasser in Bach- und Flusssysteme in sehr trockenen Regionen speisen, dann muss ich dort auf jeden Fall gewährleisten, dass ich einen Mindestabfluss habe, damit ich nicht durch die Nutzung des Wassers im Kreislauf einen Kollateralschaden im Gewässersystem erzeuge.“
Niederösterreich betreibt zudem rund 900 Messstellen, die den gesamten Wasserkreislauf überwachen – von Niederschlag über Grundwasserstände bis zu Pegelständen in Bächen und Flüssen. Mehr als 300 davon liefern Daten in Echtzeit, die auch öffentlich jederzeit eingesehen werden können.
Wasserentnahmeregister verhindert „Blindflug“
Wasserentnahmen über den normalen Haushaltsbedarf hinaus sind darüber hinaus wasserrechtlich bewilligungspflichtig. Was aber fehlt – und das kritisierte 2024 auch der Rechnungshof – ist ein bundesweites Register für den tatsächlichen Verbrauch. Das bestehende elektronische Wasserbuch sei unvollständig, teilweise fehlerhaft und nicht automatisiert auswertbar, urteilten die Prüfer damals.
Ein solches von NEOS-Landesschefin Collini gefordertes Wasserentnahmeregister ist auch für die beiden BOKU-Experten Voraussetzung für verantwortungsvolles Krisenmanagement. „Es geht nicht darum, bei normalen Situationen zu wissen, was jemand verbraucht. Österreich hat in Relation noch relativ viel Wasser. Sondern es geht um Extremsituationen wie 2026. Daher ist diese Forderung unbedingt zu unterstützen, weil wir diese Informationen brauchen, um nicht im Blindflug Entscheidungen treffen zu müssen", erklärt Hein.
Collini fordert Konzept für Wasserentnahme
Gerade weil Extremsituationen wie die aktuelle Dürre sich bereits im Winter durch Schneearmut und Niederschlagsdefizite ankündigen, könne man mit Echtzeit-Verbrauchsdaten frühzeitig und regional gezielt reagieren.
Pucher sieht das Register zudem als Planungsgrundlage für die Landwirtschaft der Zukunft: „Es geht nicht darum, mit dem Finger auf Bauern zu zeigen. Sondern einfach mal zu wissen: Wie viele Ressourcen stehen zur Verfügung, wie viele werden benötigt? Und dann gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern zu planen, was in Zukunft gebraucht wird und wie man diese Ressourcen sichern kann.“ Dem Vernehmen nach will der Bund ein solches Wasserentnahmeregister noch im Herbst vorlegen.
Stefan Schwarzwald-Sailer und Thomas Puchinger, noe.ORF.at --> zum Beitrag
Anmerkung Michaela Schmitz
Information der Öffentlichkeit gemäß Art. 10 der Verordnung (EU) 2020/741 (Wasserwiederverwendung)
In der Verordnung (EU) 2020/741 werden die Anforderungen für eine Wiederverwendung von Abwasser aus kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen für die landwirtschaftliche Bewässerung von bestimmten Kulturen festgelegt. Diese EU-Verordnung gilt ab dem 26. Juni 2023.
Die Verordnung sieht eine Ausnahme-Möglichkeit für Mitgliedstaaten vor, die nicht beabsichtigen, eine Wasserwiederverwendung zu nutzen (Opt-Out-Möglichkeit). Unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien können Mitgliedstaaten von der Anwendung der Verordnung absehen. Eine solche Entscheidung erfordert eine begründete Mitteilung an die Europäische Kommission und ist nach spätestens sechs Jahren zu überprüfen.
Die Republik Österreich hat beschlossen, von dieser Opt-Out-Möglichkeit von der Anwendung von Wasserwiederverwendung im ganzen Hoheitsgebiet Gebrauch zu machen. Das Opt-Out ist zusätzlich im Rahmen der Evaluierung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplanes (2024) zu überprüfen. Die Anwendung der Ausnahme wurde der Europäischen Kommission mitgeteilt.