Grauwasser Recycling
Eine KI-Recherche
Technologische Lösungen in Europa
Membran-Bioreaktoren (MBR-Technologie): Der moderne Standard für Ein- und Mehrfamilienhäuser (z. B. Systeme wie AQUALOOP von SFC/Intewa, ACO oder Dehoust). Die Reinigung erfolgt zweistufig:
Biologischer Abbau: Aerobe Bakterien bauen organische Seifen- und Hautpartikel im Wasser ab.
Ultrafiltration: Extrem feine Membranfilter (Porengröße ca. 0,02 bis 0,05 Mikrometer) halten Schwebstoffe, Bakterien und Viren zurück. Das Ergebnis ist glasklares, geruchloses und hygienisch einwandfreies Wasser.
Kombinationssysteme mit Wärmerückgewinnung: Da Duschwasser warm ist (ca. 30 °C), entziehen moderne Hybridsysteme (z. B. von Strebel) dem Grauwasser zuerst die Wärme über Wärmetauscher, um damit das kalte Frischwasser vorzuwärmen, bevor das abgekühlte Wasser filtriert und in die Toilettenspülung geleitet wird.
Pflanzenkläranlagen / begrünte Fassaden: Für ländliche Bereiche oder ökologische Mustersiedlungen wird Grauwasser über dezentrale Schilf- und Bodenfilter biomechanisch gereinigt.
Grundsätzliche Installationsanforderungen
- Zuleitungsnetz (Grauwasser): Erfasst gezielt Abwasser von Duschen/Waschbecken und führt es zum Aufbereitungstank.
Verteilungsnetz (Betriebswasser): Pumpt das aufbereitete Wasser ausschließlich zu den Spülkästen der Toiletten, Waschmaschinen oder Gartenanschlüssen.
Wichtige Schutzbestimmung (DIN EN 1717): Es darf niemals eine direkte Rohreverbindung zwischen dem Trinkwassernetz und dem Betriebswassernetz bestehen. Falls der Grauwasserspeicher leer ist (z. B. weil niemand geduscht hat), speist ein automatisches Ventil Trinkwasser nach – jedoch streng über einen sogenannten freien Auslauf (Trinkwasser tropft mit Luftabstand in den Tank), um jedes Rücksaugen von Brauchwasser in das öffentliche Trinkwassernetz auszuschließen.
Nachträglicher Einbau (Retrofit im Altbau und Wohnhausanlagen)
Der nachträgliche Einbau stellt die größte Herausforderung dar, da in bestehenden Gebäuden Dusch- und Toilettenabwässer meist in demselben Fallrohr zusammenfließen. Es gibt jedoch praxiserprobte Wege zur Nachrüstung:
In Mehrfamilienhäusern erfolgt die Nachrüstung am wirtschaftlichsten im Rahmen einer Sanierung von Bad- und Steigsträngen:
In vorhandene Installationsschächte oder Stillstands-Kamine wird eine zusätzliche Abwasserleitung für Grauwasser gezogen.
Parallel wird ein zweites Steigrohr installiert, das die Spülkästen der Toiletten vom Keller aus versorgt.
Wenn das Verlegen neuer Rohrleitungen in den Keller baulich unmöglich oder zu teuer ist, kommen kompakte Indoor-Anlagen zum Einsatz:
- Diese Schrank-großen Module werden direkt im Bad oder einem angrenzenden Abstellraum installiert
- Das Dusch- und Handwaschbeckenwasser fließt direkt in die Kompaktanlage und bedient ausschließlich die Toilette derselben Wohneinheit.
Bei umfassenden thermischen Sanierungen von Wohnhausanlagen werden neue Grauwasser-Fallrohre oft außen an der Fassade unter der neuen Vollwärmeschutz-Dämmung verlegt. Das Grauwasser wird im Keller oder einem Außentank gesammelt, aufbereitet und zentral zurück zu den WCs gepumpt.
4. Umrüstung von Keller- und AußenbereichenDie Aufbereitungstechnik selbst (Tanks, Pumpe, Filter) ist modular aufgebaut und benötigt im Keller oft nur wenige Quadratmeter Grundfläche. Alternativ können die Tanks auch im Erdreich vor dem Gebäude versenkt werden.
Wirtschaftliche und ökologische Einordnung
Neubau vs. Altbau: Im Neubau oder bei der Vollsanierung amortisieren sich Grauwassersysteme durch die Ersparnis bei Trink- und Abwassergebühren rasch (in größeren Wohnanlagen oft in 4–8 Jahren). Im Altbau hängen die Kosten primär vom Aufwand ab, ein zweites Leitungsnetz nachträglich einzuziehen.
Wasserersparnis: Eine Grauwassernutzung senkt den Trinkwasserverbrauch in Haushalten um ca. 30 bis 50 %, da die Toilettenspülung statistisch für rund ein Drittel des täglichen Pro-Kopf-Wasserbedarfs verantwortlich ist.
Beispiele in Österreich
- Gründerzeithaus Kauergasse 2 (1150 Wien): Erstmals in Österreich wurde ein Gründerzeit-Altbau (31 Wohnungen, 4 Gewerbeeinheiten) bei der thermischen Sanierung nach EnerPHit-Standard mit einer voll integrierten Grauwasser-Verwertungsanlage ausgestattet. Das leicht verschmutzte Abwasser aus Duschen und Waschbecken wird aufbereitet und für die WC-Spülung, die Raumkühlung sowie die Bewässerung einer vertikalen Fassadenbegrünung genutzt. Das Projekt senkt den Trinkwasserverbrauch um rund 50 % und wurde mit dem Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA) ausgezeichnet.
Wohnanlage Anni-Stern-Gasse / Braunberggasse (Wien): Im Rahmen von Forschungsprojekten (Queen Gudrun II / GreenWATERRecycling) der BOKU Wien, Schöberl & Pöll und Industriepartnern wie Strebel wurde in dieser Wohnhausanlage die stoffliche und thermische Trennung von Grauwasser getestet. Das Dusch- und Waschwasser wird gereinigt, entzieht dem Wasser Wärme zur Kaltwasservorwärmung und versorgt anschließend WC-Spülungen und Pflanzenversuchsflächen.
Technologische Vorreiter: Österreichische Firmen wie SFC Umwelttechnik (Salzburg) entwickeln MBR-Systeme (Membranbioreaktoren) für Mehrfamilienhäuser und Hotels im In- und Ausland, um Trinkwassereinsparungen von bis zu 50 % zu realisieren.
Beispiele im europäischen Ausland
- Quartier "Jenfelder Au" (Hamburg, Deutschland): Eines der größten städtebaulichen Grauwasser-Projekte Europas mit rund 770 Wohneinheiten. Über den HAMBURG WATER Cycle wird Abwasser konsequent an der Quelle getrennt: Fäkalwasser (Schwarzwasser) wird mit Unterdruck gesammelt und zur Biogaserzeugung genutzt, während das Grauwasser aus Duschen und Waschtischen lokal gereinigt und für die Speisung von Quartiersteichen und Grünflächen genutzt wird.
"Block 6" in Berlin-Kreuzberg (Deutschland): Ein europaweites Pionierprojekt im Geschosswohnbau für rund 250 Bewohner. Das Grauwasser (hier sogar inklusive Küchenabwasser) wird in einem zentralen Wasserhaus im Innenhof dezentral gereinigt. Das Wasser versorgt die Toilettenspülungen der Anlage sowie ein Gewächshaus auf dem Dach (ROOF WATER-FARM) für hydroponischen Pflanzenanbau.
Innovationszentrum NEST / Eawag (Dübendorf, Schweiz): Das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag betreibt im Forschungsgebäude NEST den Water Hub. Dort werden neuartige Entkopplungssysteme für Grauwasser erforscht, darunter begrünte Fassadenmodule (FamoS), die Grauwasser im Vorbeigehen filtern, sowie direkt im Bad integrierte Dusch-Wärmerückgewinnungssysteme.
Sozialer Wohnungsbau in Bordeaux (Frankreich): Nach einer Lockerung der französischen Wassergesetzgebung im Jahr 2024 wurden in Bordeaux Mehrfamilienhäuser (ca. 100 Wohnungen) mit AQUALOOP-Membranfiltern ausgestattet, um Duschwasser direkt vor Ort für die Toilettenspülung aufzubereiten.
Diese Beispiele zeigen, dass Grauwasser-Recycling technologisch ausgereift ist und in Europa – begünstigt durch die Richtlinien der EU-Taxonomie für nachhaltiges Bauen – zunehmend vom Exoten zum Standard im Wohnbau wird.
Ein anschaulicher Bericht zeigt, wie die Region Murcia in Spanien als europäischer Vorreiter nahezu das gesamte Abwasser recycelt und so Dürreperioden erfolgreich trotzt: Spanien als europäischer Vorreiter beim Abwasser-Recycling.
Forschung, Projekte, Entwicklungen
1. Praxisbeispiele und Projekte in Österreich
- Grauwassernutzung in der Kauergasse 2 (Wien)
Staatspreis für Klimawandelanpassung (CliA): Ein detaillierter Projektbericht über das sanierte Gründerzeithaus in Wien, das den Trinkwasserverbrauch um 50 % senkt und Grauwasser für WC-Spülung und Fassadenbegrünung nutzt.
Link: https://staatspreis-anpassung.at/projekt/grauwassernutzung-in-der-kauergasse/ [1.2.1]
Innovationsnetzwerk "Grün statt Grau": Weiterer Bericht über die Umsetzung dieses Projekts im Rahmen von Forschungsvorhaben (Queen Gudrun II).
Link: https://gruenstattgrau.at/news/innovative-sanierung/ [1.2.2]
Neubau-Wohnhausanlage POG81 (Wien Donaustadt)
Hierbei handelt es sich um ein aktuelles Beispiel (64 Wohnungen), bei dem der österreichische Hersteller Strebel eine schlüsselfertige Grauwasser-Verwertungsanlage inkl. Wärmerückgewinnung in einem Neubau installiert hat [1.3.2].
Link: https://www.strebelwerk.at/portfolio-items/pog81/ [1.3.2]
2. Forschung und Entwicklung in Österreich
FFG Projektdatenbank: "GRAU für GRÜN-BLAU"
Ein brandaktuelles österreichisches Forschungsprojekt (Start: Anfang 2026), das die Nutzung von gereinigtem Grauwasser für städtische Grünräume und zirkuläre Wassernutzung untersucht [1.1.1, 1.1.2].
Link: https://projekte.ffg.at/projekt/5142948 [1.1.2]
Green Water Recycling (Nachhaltig Wirtschaften Österreich)
Ein umfassender, tiefgehender Forschungsbericht ("Thermische & stoffliche Grauwassernutzung") zur Anwendung in Mehrgeschosswohnbauten [1.1.3].
Link (PDF): https://nachhaltigwirtschaften.at/resources/sdz_pdf/schriftenreihe-2025-17-green-water-recycling.pdf [1.1.3]
3. Pionierprojekte in Europa
Block 6 / ROOF WATER-FARM (Berlin, Deutschland)
Berliner Regenwasseragentur: Hier wird das wegweisende Projekt im Berliner "Block 6" beschrieben. Dort wird das Grauwasser von rund 250 Personen (sogar inkl. Küchenabwasser) aufbereitet und für Toiletten sowie ein Gewächshaus auf dem Dach genutzt [1.4.1, 1.4.2].
Link: https://regenwasseragentur.berlin/inspirieren-lassen/projektdatenbank/roof-water-farm/ [1.4.2]
Nolde - innovative Wasserkonzepte: Die ausführende Technik-Firma beschreibt die Funktionsweise und das Update der Anlage im Jahr 2023 [1.4.1].
Link: https://innovative-wasserkonzepte.de/portfolio_page/block-6-grauwasserrecyling-inkl-kuechen-fuer-250-ew-2023/ [1.4.1]
HAMBURG WATER Cycle (Hamburg, Deutschland)
Detaillierte Informationen zum großen städtebaulichen Pilotprojekt in der "Jenfelder Au", bei dem auf Quartiersebene Abwässer getrennt und verwertet werden.
Quellen
https://www.ressource-deutschland.de/wasser/grauwassernutzung
https://www.bauen.de/a/grauwasser-nutzen-und-doppelt-sparen
https://staatspreis-anpassung.at/projekt/grauwassernutzung-in-der-kauergasse
https://gruenstattgrau.at/news/innovative-sanierung/
https://nachhaltigwirtschaften.at/resources/sdz_pdf/schriftenreihe-2025-17-green-water-recycling.pdf
https://www.isoe.de/projekt/kreis-innovative-stadtentwaesserung-in-der-jenfelder-au
https://www.intewa.com/de/referenzen/grauwassernutzung-im-sozialen-wohnungsbau-in-frankreich