Trockenheit August 2026
Wenn man nur Wein in Wasser verwandeln könnte…
Der Hintergrund:
- Über Wochen herrscht eine Dürre in Österreich und wir erleben das trockenste Jahr seit Messbeginn, also seit über 170 Jahren.
- Zusätzlich jagt ein Hitzerekord den nächsten.
- Über Wassermangel wird geschrieben und gleichzeitig wird berichtet, dass wir auf zu viel Rotwein sitzen, weil mehr produziert und weniger konsumiert wird. “Notschlachtungen” und “Notdestillationen” werden als Lösungen diskutiert.
Wie hängen “Wasser- Futter- und Weinproblem” zusammen und was sind nachhaltige Lösungen für die Zukunft? Genau das möchte ich in diesem Artikel auf Basis aktueller Informationen zusammenfassen und persönliche Gedanken dazu erläutern.
Extremwetter und ihre Folgen
Wollen wir uns das wirklich leisten?
Österreich leidet an Trockenheit, vor Monaten standen wir noch unter Wasser und wurden zu Katastrophengebieten ausgerufen! Müssen wir uns daran gewöhnen oder können wir etwas dagegen tun?
Aktuelle Berichte zeigen, dass die ersten Wochen des neuen Jahres deutlich weniger Niederschlag bekommen haben, als es früher üblich war. Der bisherige Februar zeigt ein österreichweites Niederschlagsdefizit von rund 80 Prozent, in vielen Bereichen wie zum Beispiel dem Wienerwald sogar noch höher.
Das große Fischsterben hat in Neulengbach begonnen
„Jetzt ist es vorbei“, stellt Ossi Hicker mit großem Bedauern fest. Das Fischsterben im Raum Neulengbach hat begonnen. „Von Neulengbach aufwärts haben wir zigtausende tote Fische. Man merkt den Verwesungsgeruch“, schildert der Fischereiausübungsberechtigte im Fischereirevier Große Tulln I/1.
Eine Mrd. Schaden durch „historische Dürre“
ORF.at/Stories - Online seit 10.ß8.2026
Betroffen von der Dürre sind laut Hagelversicherung ganz Österreich und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber regional auch anderes. Allgemein werden höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte befürchtet, wie es bereits letzte Woche von Vertretern der Landwirtschaft hieß.
Der Chef der Hagelversicherung sieht die Lebensmittelversorgung – etwa mit Getreide, Mais, Ölsaaten – in Österreich durch den Klimawandel und die Flächenversiegelung bedroht. In Österreich werde sehr viel wertvoller landwirtschaftlicher Boden verbaut, das sei fahrlässig. Außerdem müssten sich Österreich und die EU an die selbstgesteckten Klimaziele halten, so Weinberger.
Dürre bedroht Fische im Anzbach
Diesen Sommer trafen extrem hohe Temperaturen auf extrem wenig Regen. Hier kam es zu Aufzeichnungen, wie man sie noch nie gemessen hat. Gewässerökologe Martin Mühlbauer steigt mit MeinBezirk in den Anzbach und zeigt, seinen katastrophalen Zustand.
MARIA ANZBACH. Ein kleiner Fischschwarm schwimmt verzweifelt in einem seichten, kleinen Becken auf und ab. Es ist eine der wenigen Stellen, wo der Anzbach noch nicht ausgetrocknet ist. Die Elritzen sind eingeschlossen. Sollte Temperatur und Trockenheit länger anhalten, blüht ihnen dasselbe Schicksal, wie tausenden Fischen im Wienerwald: der Tod auf einer trockenen Sandbank.
Der Kampf der Überlebenden
Der Elritzen-Schwarm hat Glück, dass Martin Mühlbauer vorbeigekommen ist. Gemeinsam mit der MeinBezirk-Redakteurin gräbt er eine Verbindung zu einem tieferen Wasserbecken, das gleich daneben liegt. Wenn sie den Weg finden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fische überleben.
Beitrag HIER weiterlesen ...
Ressource Wasser
Die Bilder sprechen für sich: ausgedörrte Felder, vertrocknete Gärten und eine Landwirtschaft unter extremem Druck. Die Dürre im heurigen Jahr verdeutlicht, dass man sich auch in Österreich stärker mit Brauchwasser, Kreislaufnutzung und Wasserreserven beschäftigen muss.
„Wir müssen jetzt in Österreich nicht aus Abwasser Trinkwasser machen, weil wir genügend Trinkwasserressourcen haben", sagt Umweltingenieur Bernhard Pucher von der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien gegenüber noe.ORF.at. „Wir müssen Brauchwasser – also Toiletten-Spülwasser oder Gießwasser – ersetzen, um den Verbrauch von Trinkwasser nicht exponentiell in die Höhe zu schrauben.“
Umdenken bereits in vielen anderen Ländern
In anderen Ländern, die in der Vergangenheit schon öfter mit Dürreperioden zu kämpfen hatten, habe das Umdenken schon längst begonnen. Die Technologien für die hygienisch sichere Aufbereitung von Trink- sowie Brauchwasser seien vorhanden, betont Pucher.
Gerade bei neuen Wohnbauten sollte man laut Pucher in Österreich darüber nachdenken, diese mit entsprechenden Leitungssystemen für Grauwassernutzung (Grauwasser ist fäkalienfreies, leicht verschmutztes Abwasser; Anm.) auszustatten. Wer das jetzt versäume, verliere hier Jahrzehnte – denn ein Nachrüsten sei um ein Vielfaches teurer.
Der Umweltingenieur verweist auf Katalonien (Spanien), wo bereits 40 Gemeinden beschlossen hätten, Grauwasseranlagen in Neubauten vorzuschreiben. Aber auch im Hinblick auf die Landwirtschaft nennt Pucher Beispiele aus anderen Ländern, in denen die Nutzung von gereinigtem Brauchwasser schon jetzt normal ist.
„In Murcia in Südspanien wird das Gemüse, das auch nach Österreich kommt, mit gereinigtem Abwasser bewässert, das die EU-Mindeststandards einhält. Dort ist das Stand der Technik, weil sie sonst kein Wasser haben."
Keinen „Kollateralschaden im Gewässersystem“ erzeugen
Indirekt wird auch in Österreich gereinigtes Wasser bereits für die Bewässerung genutzt. Laut der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes Niederösterreich fließt geklärtes Wasser aus Kläranlagen schon jetzt über sogenannte Vorfluter – also Bäche und Flüsse – zurück in den Wasserkreislauf. Das Grundwasser wird so angereichert und steht in der Folge wieder zur Entnahme bereit.
Gerade in trockenen Regionen sei dieser Rückfluss ökologisch unverzichtbar, meint Gewässerökologe Thomas Hein von der BOKU Wien. „Wenn Kläranlagen das gereinigte Wasser in Bach- und Flusssysteme in sehr trockenen Regionen speisen, dann muss ich dort auf jeden Fall gewährleisten, dass ich einen Mindestabfluss habe, damit ich nicht durch die Nutzung des Wassers im Kreislauf einen Kollateralschaden im Gewässersystem erzeuge.“
Niederösterreich betreibt zudem rund 900 Messstellen, die den gesamten Wasserkreislauf überwachen – von Niederschlag über Grundwasserstände bis zu Pegelständen in Bächen und Flüssen. Mehr als 300 davon liefern Daten in Echtzeit, die auch öffentlich jederzeit eingesehen werden können.
Wasserentnahmeregister verhindert „Blindflug“
Wasserentnahmen über den normalen Haushaltsbedarf hinaus sind darüber hinaus wasserrechtlich bewilligungspflichtig. Was aber fehlt – und das kritisierte 2024 auch der Rechnungshof – ist ein bundesweites Register für den tatsächlichen Verbrauch. Das bestehende elektronische Wasserbuch sei unvollständig, teilweise fehlerhaft und nicht automatisiert auswertbar, urteilten die Prüfer damals.
Ein solches von NEOS-Landesschefin Collini gefordertes Wasserentnahmeregister ist auch für die beiden BOKU-Experten Voraussetzung für verantwortungsvolles Krisenmanagement. „Es geht nicht darum, bei normalen Situationen zu wissen, was jemand verbraucht. Österreich hat in Relation noch relativ viel Wasser. Sondern es geht um Extremsituationen wie 2026. Daher ist diese Forderung unbedingt zu unterstützen, weil wir diese Informationen brauchen, um nicht im Blindflug Entscheidungen treffen zu müssen", erklärt Hein.
Collini fordert Konzept für Wasserentnahme
Gerade weil Extremsituationen wie die aktuelle Dürre sich bereits im Winter durch Schneearmut und Niederschlagsdefizite ankündigen, könne man mit Echtzeit-Verbrauchsdaten frühzeitig und regional gezielt reagieren.
Pucher sieht das Register zudem als Planungsgrundlage für die Landwirtschaft der Zukunft: „Es geht nicht darum, mit dem Finger auf Bauern zu zeigen. Sondern einfach mal zu wissen: Wie viele Ressourcen stehen zur Verfügung, wie viele werden benötigt? Und dann gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern zu planen, was in Zukunft gebraucht wird und wie man diese Ressourcen sichern kann.“ Dem Vernehmen nach will der Bund ein solches Wasserentnahmeregister noch im Herbst vorlegen.
Anmerkung Michaela Schmitz
Information der Öffentlichkeit gemäß Art. 10 der Verordnung (EU) 2020/741 (Wasserwiederverwendung)
In der Verordnung (EU) 2020/741 werden die Anforderungen für eine Wiederverwendung von Abwasser aus kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen für die landwirtschaftliche Bewässerung von bestimmten Kulturen festgelegt. Diese EU-Verordnung gilt ab dem 26. Juni 2023.
Die Verordnung sieht eine Ausnahme-Möglichkeit für Mitgliedstaaten vor, die nicht beabsichtigen, eine Wasserwiederverwendung zu nutzen (Opt-Out-Möglichkeit). Unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien können Mitgliedstaaten von der Anwendung der Verordnung absehen. Eine solche Entscheidung erfordert eine begründete Mitteilung an die Europäische Kommission und ist nach spätestens sechs Jahren zu überprüfen.
Die Republik Österreich hat beschlossen, von dieser Opt-Out-Möglichkeit von der Anwendung von Wasserwiederverwendung im ganzen Hoheitsgebiet Gebrauch zu machen. Das Opt-Out ist zusätzlich im Rahmen der Evaluierung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplanes (2024) zu überprüfen. Die Anwendung der Ausnahme wurde der Europäischen Kommission mitgeteilt.
Trinkwasserversorgung - Finanzierung als drängende Frage
Heißester Sommer seit Messbeginn
... Sechs Tage mit mehr als 40 Grad
Auch die Anzahl der 40-Grad-Tage erreichte ein neues Ausmaß. Sechs Tage waren es, mindestens einer in jedem Sommermonat und im August sogar drei Tage hintereinander im Osten Österreichs. Vor dem heurigen Sommer war die 40-Grad-Marke überhaupt erst ein einziges Mal in Österreich erreicht worden, nämlich im August 2013.
Auch der Westen war heuer besonders von wochenlanger Hitze betroffen. In Bregenz etwa wurde mit 47 heißen Tagen – das heißt 30 Grad oder darüber – ein neuer Höchstwert erreicht. Der alte aus dem Jahr 2015 lag bei 29 Tagen. Das entspricht einer Zunahme an 30-Grad-Tagen von mehr als 60 Prozent.
WMO-Bericht - Wasserreserven der Welt geraten an Grenzen
Die Vereinten Nationen warnen vor einem weiteren Rückgang der weltweiten Wasserreserven. Die Gesamtmenge des in Grundwasser, Seen, Flüssen, Böden, Eis und Schnee gespeicherten Süßwassers schrumpfe seit Jahren, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Die Wassertiefstände vielerorts im heißen Sommer 2026 sind darin noch gar nicht berücksichtigt. Und: Das Klimaphänomen „El Nino“ könnte für weiteres Ungemach sorgen.
Dürre: Herbsternte wohl noch schlechter als erwartet
Der heißeste Sommer in der österreichischen Messgeschichte lässt die erwartete Ernte bei vielen Feldfrüchten noch schlechter ausfallen als zuletzt erwartet, heißt es von der Landwirtschaftskammer Österreich. Betroffen sind etwa Erdäpfel, Körnermais, Soja, Kürbis und Zuckerrüben.
Niederösterreich war von der Trockenheit im Sommer besonders betroffen – mehr dazu in Trockenstes Jahr seit Messbeginn 1850 (noe.ORF.at; 17.8.2026). Das hat auch sichtbare Folgen für die Landwirtschaft – mehr dazu in Ernteausfälle könnten Preise hochtreiben (noe.ORF.at; 6.8.2026). Bei der aktuellen Herbsternte rechnet man österreichweit mit umfassenden Einbußen, hieß es am Sonntag.
Im Vergleich zum Fünfjahresschnitt könnte bei Körnermais die Gesamtmenge in Tonnen um knapp 30 Prozent und bei Sojabohnen um über 50 Prozent einbrechen, hieß es von der Landwirtschaftskammer Österreich. Die geschätzten Ertragserwartungen bei Erdäpfeln sind laut Landwirtschaftskammer „dramatisch“ und bewegen sich zwischen minus 50 Prozent und minus 70 Prozent.
Herbstkulturen wie Körnermais, Silomais, Erdapfel, Kürbis, Sonnenblume, Soja und Zuckerrübe waren von der starken Trockenheit länger betroffen als Getreide, das bereits im Sommer geerntet wurde.
„Dramatische Missernte“
„Die Missernte der Herbstkulturen fällt noch dramatischer aus als befürchtet“, sagte Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zur APA. Die Landwirtschaft sei von einer Trockenheit „bisher ungeahnten Ausmaßes getroffen und geschädigt worden“.
Das Dürrepaket der Regierung und die anderen gesetzten Maßnahmen seien „überlebensnotwendig“, so der oberste Bauernvertreter. Es müsse auch „weitere Zukunftsinvestitionen in die Klimafitness“ der heimischen Land- und Forstwirtschaft geben.
Fotodokumentation
Fotodokumentation
Vom Anzbach (ab Gerichtsbrücke) bis Markersdorf (hin und zurück)
30.08.2026 - Emmersdorfer Wehr