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Das Begräbnis von Elisabeth-Oma

Einleitung

Warum ich beginne, hier, auf Elsbeere-Zeitschrift.at, zu schreiben

Ich habe vor vielen Jahren auf story.one begonnen, einzelne Geschichten über mein Leben zu veröffentlichen. Auf story.one sind ganz viele Geschichten zu meinem Sohn Sebastian, der am 28.09.2024 gestorben ist, entstanden. Über sein Leben, über seine Erkrankung, über den Umgang von uns damit. Über den Tod, über das Unfassbare.Nach dem Tod von Sebastian habe ich (eher zufällig und mit Hilfe von Claudia Lind) diese Online-Zeitschrift 'gegründet'. Sie wächst nun und widmet sich 2x im Jahr unterschiedlichen, regional aktuellen Themen.

Aber 'nebenbei' gibt es auch die Möglichkeit, persönlich zu schreiben. Ich nehme mir also die Freiheit, hier meine persönliche Lebens-Geschichte zu veröffentlichen. Der Anlass, dies nun endlich zu tun, ist der - für uns doch überraschende - Tod von meiner Stiefmutter Elisabeth (05.03.2026), unserer Elisabeth-Oma. Mein Vater hatte sie nach dem Tod meiner Mutter 1985 kennengelernt und war mit ihr bis zu seinem Tod im Jänner 2018 zusammen (und viele Jahre davon auch verheiratet - das genaue Datum folgt - ich muss noch recherchieren).

Meine Söhne Emil (1995), Sebastian (1997-2024) und Daniel (1999) hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Oma. Sie liebten ihre Schnitzel und ihre wunderbaren Weihnachtskekse. Einige Male im Jahr waren wir zu Besuch bei Oskar-Opa und Elisabeth-Oma in Alt Erlaa, in diesen riesigen Bauten von Harry Glück. Es gibt auch einen Film über Alt Erlaa, diesen Film haben Sebi, Udo und ich 2024 im Cinema Paradiso in St. Pölten geschaut (leider hatte unsere Elisabeth-Oma keine Zeit dafür). Trailer ...

Ich war und bin so froh, dass mein Vater (Oskar Hörschläger) nach dem Tod meiner Mutter (Anita Hörschläger, geborene Schreckenstein) im Jahr 1985 wieder eine Frau gefunden hatte, mit der er wunderbare Jahre verbringen konnte. Mein Vater hatte keine einfache Kindheit (1929 geboren), seine Mutter, die ihn unehelich im Alter von 16 Jahren geboren hat, hat sich, als mein Vater 1 Jahr alt war, das Leben genommen. Danach wurde mein Vater von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht ...

Mein Vater hatte erfüllende Lebensjahre mit Elisabeth und sie war die Oma für Emil, Sebastian und Daniel. Besonders zu Sebastian hatte sie eine spezielle Beziehung.

Nun sind beide nicht mehr. Und ich bin mir sicher, dass Sebi mit seinem unverwechselbaren 'Hallo Oma' Elisabeth DRÜBEN in Empfang genommen hat. Wahrscheinlich schon auch erstaunt, dass es jetzt doch so schnell gegangen ist ...

Mit dem Tod von Elisabeth, meiner Stiefmutter, geht wieder ein Teil von mir und meinem Leben und meinem Leben mit Sebastian dahin. Wird begraben. Wird beendet. Ganz ehrlich gesagt, habe ich den Tod von Sebi noch nicht realisiert und jetzt kommt 'der nächste Tod' von Elisabeth - ich komme irgendwie mit dem 'Aufarbeiten' nicht ganz nach. Aber das nennt man wohl LEBEN.

Begräbnis von Elisabeth Hörschläger (Wildeis, Holzer) 24.04.2026

Zwischen unserer Vorstellung vom Leben und dem Leben an sich liegt der Hauch der Ewigkeit.’

Elisabeth-Oma ud Sebi auf der Dachterrasse in Alt Erlaa - vom Winde verweht

Text aus Facebook

10.05.2026

Meine Lieben, wie bewusst oder unbewusst wir manche Situationen in unserem Leben wahrnehmen, präsentiert sich uns oft erst im Nachhinein. Manchmal haben wir, während wir in einer bestimmten Situation sind, schon instinktiv 'ein Gefühl' - aber die wirkliche 'Auswirkung' oder auch 'Wichtigkeit' zeigt sich erst danach. So ging es Emil, Daniel und mir bei unserem letzten Besuch bei Elisabeth-Oma - wo sie noch ganz bewusst bei uns war.

GETRAGEN AUF WOLKE 7
Am Sonntag, 22.02.2026, haben Emil, Daniel und ich Elisabeth-Oma im Krankenhaus Hietzing auf der Palliativstation besucht. Elisabeth hat mich am Sa, 07.02.2026, als ich mit Emil und Daniel zum Frühstück in der Konditorei Heiss&Süß in Neulengbach war, angerufen. Sie klang ziemlich aufgeregt und ein bisschen verwirrt. Sie war im Spital wegen Schmerzen im Bauch, man hatte einen (aggressiven) Tumor in den Eierstöcken entdeckt, der in die Bauchhöhle gestreut hatte. Sie wollte keine Chemotherapie.

Elisabeth bat mich, zu kontrollieren, ob das Grab von Oskar, meinem Vater und ihrem Mann, bezahlt war. Sie wusste nicht, ob da alles in Ordnung war - im Nachhinein frage ich mich: hat sie irgendetwas geahnt? Ich habe dann mit ihrer (letzten, lebenden, älteren) Schwester Ottilie telefoniert. Ottilie war gerade auf Kur und wusste auch nicht so genau, was mit Elisabeth los war. Ich habe mich dann wegen des Grabes erkundigt – es war alles bezahlt. Daniel und ich waren dann am Freitag, 13.02.2026, Elisabeth-Oma im Spital besuchen. Da lag sie noch auf der Gynäkologie. Sie war offensichtlich von den Medikamenten etwas benommen, wir hatten ein Gespräch mit ihr und haben auch einen Barbabo dort gelassen, was sie sehr freute, alles war in Summe aber eher verwirrend.

Unser nächster Besuch war dann Sonntag, 22.02.2026. Elisabeth-Oma wurde auf die Palliativstation überstellt, die Ärzt:innen hatten die geplante Chemotherapie abgesagt. Elisabeth-Oma war das recht, sie wollte keine Chemotherapie. Ich kann nicht beurteilen, wie viel sie wirklich über ihren körperlichen Zustand wusste, wie viel sie - vielleicht auch unbewusst gar nicht wissen wollte. An diesem Nachmittag fragte ich mich einige Male, ob ich mit ihr über ihren Zustand sprechen sollte, ob ich den aggressiven Krebs ansprechen sollte, ob ich sie fragen sollte, was genau jetzt hier auf der Palliativstation geschehen würde? Emil und Daniel plauderten mit Oma, Emil vorzugsweise über seine Beziehungs-Chats. Es war ‚wie im Leben‘. Elisabeth-Oma hat ihr Brot mit Butter gestrichen und gegessen, ist am Bettrand gesessen, hat mitgeplaudert, g’scheite Beziehungstipps gegeben, gelacht und sich gut unterhalten. Sie hatte Zukunftspläne – einen Rollator zum Trainieren, Physiotherapie und dann mit Pfleger:in nach Hause, um die ‚letzte‘ Zeit zu nutzen, um ‚alles zu regeln‘. Wir waren ca. drei Stunden bei Elisabeth-Oma und hatten eine ziemlich unbeschwerte, gemeinsame Zeit und wir haben uns verabschiedet mit dem Gefühl, dass wir uns bei ihr zu Hause in Alt Erlaa wiedersehen und dann schauen, wie lange es noch geht …

Es war ein bisschen wie ‚auf Wolke 7‘ – wir hatten wundersame drei Stunden in Leichtigkeit mit Elisabeth-Oma. Ich bin sehr dankbar darüber.

Einen Tag später ging es Elisabeth-Oma so schlecht, dass man ihr so viele Medikamente verabreichen musste, dass sie bis zu ihrem Todestag, 05.03.2026, nicht wieder das Bewusstsein erlangte. Wir (Emil, Kinga, Daniel und ich) waren am 27.02. noch einmal bei ihr – sie war nicht mehr ansprechbar.
Das Begräbnis fand am 24.04.2026 am Friedhof Liesing statt.

‚Zwischen unserer Vorstellung vom Leben und dem Leben an sich liegt der Hauch der Ewigkeit.’
Sebi und Oma
27.04.2026 • aktualisiert am 16.08.2026