Getragen auf Wolke 7
Elisabeth-Oma
Elisabeth hat mich am Sa, 07.02.2026, als ich mit Emil und Daniel zum Frühstück in der Konditorei Heiss&Süß in Neulengbach war, angerufen. Sie klang ziemlich aufgeregt. Sie war im Spital wegen Schmerzen im Bauch, man hatte einen (aggressiven) Tumor in den Eierstöcken entdeckt, der in die Bachhöhle gestreut hatte. Sie wollte keine Chemotherapie. Elisabeth bat mich, zu kontrollieren, ob das Grab von Oskar, meinem Vater und ihrem Mann, bezahlt war. Sie wusste nicht, ob da alles in Ordnung war (im Nachhinein frage ich mich: hat sie irgendetwas geahnt?). Ich habe dann mit ihrer (letzten, lebenden, älteren) Schwester Ottilie telefoniert. Ottilie war gerade auf Kur und wusste auch nicht, was mit Elisabeth los war. Ich habe mich dann wegen des Grabes erkundigt – es war alles bezahlt. Daniel und ich waren dann noch am Freitag, 13.02.2026, Elisabeth im Spital besuchen. Da lag sie noch auf der Gynäkologie. Sie war offensichtlich von den Medikamenten benommen, wir hatten ein Gespräch mit ihr und haben auch einen Barbabo bei Oma gelassen, alles war in Summe aber eher verwirrend.
Unser nächster Besuch war dann Sonntag, 22.02. Elisabeth-Oma wurde auf die Palliativstation überstellt, die Ärzt:innen hatten die geplante Chemotherapie abgesagt. Elisabeth-Oma war das recht, sie wollte keine Chemotherapie. Ich kann nicht beurteilen, wie viel sie wirklich über ihren körperlichen Zustand wusste. An diesem Nachmittag fragte ich mich einige Male, ob ich mit ihr über ihren Zustand sprechen sollte, ob ich den aggressiven Krebs und den baldigen Tod ansprechen sollte. Emil und Daniel plauderten mit Oma, Emil vorzugsweise über seine Beziehungs-Hin-und-Her-Chats. Es war ‚wie im Leben‘. Elisabeth-Oma hat ihr Brot mit Butter gestrichen und gegessen, ist am Bettrand gegessen, hat mitgeplaudert, g’scheite Beziehungstipps gegeben, gelacht und sich gut unterhalten. Sie hatte Zukunftspläne – einen Rollator zum Trainieren, Physiotherapie und dann mit Pfleger:in nach Hause, um die ‚letzte‘ Zeit zu nutzen, um ‚alles zu regeln‘. Wir waren ca. drei Stunden bei Elisabeth-Oma und hatten eine ziemlich unbeschwerte, gemeinsame Zeit und wir haben uns verabschiedet mit dem Gefühl, dass wir uns bei ihr zu Hause in Alt Erlaa wiedersehen und dann schauen, wie lange es noch geht …
Es war ein bisschen wie ‚auf Wolke 7‘ – wir hatten wundersame drei Stunden in Leichtigkeit mit Elisabeth-Oma. Ich bin sehr dankbar darüber.
Einen Tag später ging es Elisabeth-Oma so schlecht, dass man ihr so viele Medikamente verabreichen musste, dass sie bis zu ihrem Todestag, 05.03.2026, nicht wieder das Bewusstsein erlangte. Wir (Emil Kinga, Daniel und ich) waren am 27.02. noch einmal bei Oma – sie war nicht mehr ansprechbar.
Das Begräbnis fand am 24.04.2026 am Friedhof Liesing statt.
‚Zwischen unserer Vorstellung vom Leben und dem Leben an sich liegt der Hauch der Ewigkeit.’