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Warum Permakultur

Nichts Neues, nur Ökonomie für den „Return of Investment“

PERMAKULTUR
Der Begriff, ursprünglich zusammengesetzt aus permanent agriculture, beschreibt ein ganzheitliches Design-System, das darauf abzielt, nachhaltige oder regenerative, naturnahe und selbsterhaltende Kreisläufe zu schaffen. Man nutzt natürliche Ökosysteme als Vorbild. Anstatt gegen die Natur zu arbeiten (z. B. mit Pestiziden), nutzt man Synergien – etwa indem Elemente wie Pflanzen, Tiere oder Strukturen so kombiniert werden, dass sie sich gegenseitig stärken. Kleinräumige Subsistenz- und Kreislaufwirtschaft.
Im Zusammenhang mit Landwirtschaft entwickelt, wird Permakultur heute auch auf Architektur, Energieversorgung und soziale Gemeinschaften übertragen, um resiliente Lebensräume zu
gestalten. Dies oder so ähnlich ist die gängige Definition über den Gegenentwurf zur modernen industriellen
Landwirtschaft
Foto Udo Tschernuter

NICHTS NEUES.

Diese Gegenentwürfe haben sich bereits sehr bald parallel zu technischen und Naturwissenschaftlichen Fortschritten der Land und Forstwirtschaft geformt. Der amerikanische Agrarwissenschaftler Franklin Hiram King, beschäftigte sich bereits im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert intensiv mit „organic farming“ – also biologisch-organischer Kreislaufwirtschaft. Und bezeichnet diese diese uralten und bewährten Systeme erstmals als „permanent agriculture“, also als dauerhafte, weil nachhaltige Landwirtschaft. In seinem 1911 erschienenen Buch „Farmers of Forty Centuries“ dokumentierte King ausführlich, wie Kleinbauern in China, Korea und Japan seit Tausenden von Jahren fruchtbare Böden bewirtschafteten – ohne chemische Düngemittel und ohne Erosion. Er reiste 1909 durch Ostasien und war beeindruckt von den intensiven, aber nachhaltigen Anbausystemen, die Nährstoffkreisläufe vollständig schlossen. Die Idee, dass Landwirtschaft regenerativ sein kann – wie in Ostasien über Jahrtausende praktiziert – wurde durch Kings Werk greifbar. Sein Buch gilt heute als Klassiker der ökologischen Landwirtschaft und ist in der Permakultur-Literatur oft als
Referenz zu finden.
Foto Udo Tschernuter
P. A. Yeomans Der australische Erfinder und Bergbauingenieur mit seinem Buch „Water for Every Farm – The Keyline Plan“ schuf 1954 ebenfalls ein Standardwerk der Permakultur. Das System basiert auf der Nutzung der natürlichen Geländeformen, um Wasser entlang von Konturlinien, gleichmäßiger im Landschaftsprofil zu verteilen, wobei der Fokus darauf liegt, Wasser so hoch wie möglich im Gelände zu speichern.

Die zerstörerische Kraft der Agrochemie ist spätestens seit Rachel Carlsons Sachbuch „Silent Spring“ aus dem Jahr 1962 einer kritischen Öffentlichkeit bekannt. Carlson war Biologin und Umweltjournalistin und machte den rigorosen Pestizid-Einsatz zum Thema, indem sie dessen verheerende Auswirkungen auf Ökosysteme populärwissenschaftlich aufarbeitete.

„Natur und ihren Rhythmus studieren und aus der Beobachtung Schlüsse für die Bewirtschaftung ziehen.“ war das Credo von Masanobu Fukuoka. Sein 1978 erschienenes Buch „The One-Straw Revolution – An Introduction to Natural Farming“ hatte einen entscheidenden Einfluss auf viele alternative Landwirtschaftskonzepte.

Bill Mollison und David Holmgren verhalfen mit dem 1978 veröffentlichten Buch „Permaculture One“ der Permakultur zu weltweiter Verbreitung und dadurch rascher Weiterentwicklung. Gewürdigt wurde diese Arbeit 1981 mit dem Right Livelihood Award, der oft als „Alternativer Nobelpreis“ bezeichnet wird.

Mollison und Holmgrens Verdienst ist es auch von vergleichbaren klimatischen Weltregionen die unterschiedlichen, kulturell entstandenen Praktiken zu sammeln, zu vergleichen, wissenschaftlich zu überprüfen und systemisch zu analysieren, um als Philosophie und allgemeines Designkonzept greifbar zu machen und somit in allen Spezialanwendungen nicht nur als nachhaltiges, sondern regeneratives Wirtschaftsmodell
anwendbar zu sein. Einige der 12 Design-Prinzipien (nach David Holmgren) sind ökonomischen Grundregeln ähnlich, welche im modernen Management selbstverständlich sind.

1. Beobachte und interagiere: Erst die Natur verstehen, dann behutsam eingreifen.
2. Sammle und speichere Energie: Nutze Sonne, Wasser und Biomasse, wenn sie im Überfluss vorhanden sind.
3. Erwirtschafte einen Ertrag: Ein System muss sich selbst (und dich) erhalten können.
4. Wende Selbstregulierung an & lerne aus Feedback: Akzeptiere Rückschläge als Information zur Optimierung.
5. Nutze erneuerbare Ressourcen: Vermeide Abhängigkeit von endlichen Stoffen.
6. Produziere keinen Abfall: Abfall ist gutes Zeug am falschen Platz. Eine Ressource für einen anderen Prozess.
7. Gestalte erst Muster, dann Details: Verstehe das große Ganze (z. B. Klima, Gelände), bevor du einzelne Pflanzen setzt.
8. Integriere statt abzugrenzen: Nutze Synergien (z. B. Hühner im Obstgarten zur Schädlingsbekämpfung).
9. Setze auf kleine, langsame Lösungen: Große Systeme sind anfälliger; kleine Schritte sind beherrschbar.
10. Nutze und schätze die Vielfalt: Monokulturen sind instabil; Vielfalt sorgt für Resilienz.
11. Nutze Randzonen & schätze das Marginale: An Grenzen (z. B. Waldrand, Ufer) ist die biologische Aktivität am höchsten.
12. Reagiere kreativ auf Veränderung: Wandel ist unvermeidlich – nutze ihn als Chance für Neues.

Foto Udo Tschernuter

NUR ÖKONOMIE

Allerdings mit alternativer Profitvalidierung. Nicht das menschlich erdachte Geld- und Wirtschaftssystem ist in der Permakultur die Währung, sondern die auf physikalischen Grundgesetzen basierende Einheit Joule. Ein Joule ist die Energie, die benötigt wird, um einen Körper mit der Kraft von einem Newton über eine Strecke von einem Meter zu bewegen. Ein Joule entspricht etwa der Energie, die man braucht, um eine kleine Tafel Schokolade (ca. 100 g) einen Meter hochzuheben.

1 Joule=1 Newton×1 Meter=1N⋅m

Während die vorindustrielle Landwirtschaft mehr Energie lieferte, als sie verbrauchte, sind hoch entwickelte Agrarsysteme heute oft auf externe, meist fossile Energiezufuhr angewiesen. In modernen, technologieintensiven Systemen wie in den USA werden oft etwa 7,3 Einheiten Energie, primär fossil, benötigt, um 1 Einheit Nahrungsenergie zu erzeugen.

Unter dieser Betrachtungsweise welche mit dem EROI - Energy Return of Investment einen geläufigen Vergleichswert schafft ist die Permakultur hocheffizient und somit die einzig sinnvolle Wirtschaftsweise.

Foto Udo Tschernuter

FÜR DEN RETURN OF INVESTMENT (ROI)

...ist die Permakultur in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem allerdings im Nachteil, da keine vollinhaltliche Folgekostenabschätzung von fossilen Energieverbrauch oder Degradierung und Zerstörung von Ökosystemen als lebenserhaltende Grundlagen eingepreist werden. Gewinne werden üblicherweise privatisiert und Kosten sozialisiert. Anstelle von Gererationsübergreifenden Zeiträumen werden oft Quartalsergebnisse oder Jahreszyklen zur Perfomancebewertung herangezogen.

Mit dem wachsenden Ausbau der Photovoltaik gibt es zumindest im Energiesektor Hoffnung auf faire Konkurrenzbedingungen zu fossilen Energieträgern.

Lohnkosten sind dann meist noch ein wesentlicher Preistreiber. Daher setzt die Permakultur auf natürliche Synergien, um Pflege- und Korrekturmaßnahmen zu reduzieren, auf Kreislaufwirtschaft, um Material und Prozesskosten zu minimieren und effiziente Mischkultur mit Nischennutzung in Zeit und Raum zur Steigerung der Gesamtproduktivität.

Ein Kreislaufsystem, wie die Natur es über Jahrmillionen optimiert hat.

Foto Udo Tschernuter

WARUM

Auf dem Hendlberg-Hof auf 720 m Seehöhe leben und arbeiten wir mit der Natur, um Lebensmittel in Verantwortung gegenüber allen Lebewesen zu produzieren. Mit einem offenen Zugang zum Erlernen und Teilen von Wissen ist es unser Ziel, die Gemeinschaft zu pflegen, das Leben zu feiern und für eine gesündere Zukunft nachfolgender Generationen zu sorgen.

Wir lassen uns von Fairness und Gerechtigkeit leiten, die kompromisslos für alle Lebewesen gleichermassen gültig sind. Um dies zu erreichen, leben und arbeiten wir mit einem System, welches die Natur so gut wie möglich nachbildet. Unsere Methoden basieren auf Permakultur und Praktiken der regenerativen Landwirtschaft.
Um die Folgen von Ausbeutung der Natur durch den Menschen zu kompensieren, wollen wir ein Beispiel für eine regenerative Lebensart zeigen, welches gerne kopiert und adaptiert aber auch hinterfragt und kritisiert werden soll. In voller Transparenz um Besucher an unserem Lernprozess teilhaben zu lassen und über Seminare möchten wir viele Menschen erreichen und auf allen Ebenen gemeinschaftsbildend wirken.

Indem wir mit der Natur leben und arbeiten, lernen wir ihre Vielfalt, Fülle und Schönheit wahrhaftig schätzen und unseren Hof nach Prinzipien führen, die das Leben in all seinen Formen feiern. Von den Jahreszeiten begleitet, die Naturprozesse erlernen und weitergeben, ist unsere Aufgabe für die Sicherung einer lebenswerten Zukunft.

Die Steinmauern des über 200 Jahre alten Gebäudes stehen immer noch auf unserem nun kernsanierten Hof. Wir blicken oft darauf und bedanken uns bei den menschlichen Händen, welche sie errichtet haben. Umgeben von Wald, natürlichen Quellen und einer atemberaubenden Aussicht auf die Alpen staunen wir und bedanken uns bei Mutter Erde für ihre Gaben. Wir hoffen, dass unsere Arbeit in 200 Jahren ebenfalls der Natur und den Menschen nützlich sein wird.

Manche Bäume, die wir heute pflanzen, werden ihre produktivsten Jahre den nächsten Generationen zur Verfügung stellen. Wir möchten betonen, dass wir keine erfahrenen Landwirte sind oder einen diesbezüglichen Hintergrund haben. Wir sind bloß zwei Menschen, die mittlerweile genügend Wissen haben, um handeln zu müssen. Wir können nicht stillschweigend daneben sitzen, sondern wollen die Veränderung der Welt mitgestalten. So werdet ihr Zeugen unserer Versuche, unter Beweis zu stellen, dass jeder, der Bereitschaft und Entschlossenheit mitbringt, an dieser so notwendigen Veränderung teilnehmen kann.

Wir, Nicole (verstorben am 21.1.2022) und Volkmar Geiblinger, sehen uns als Verwalter des Hendlberg-Hofes für die nächsten Generationen. Wir haben uns 2014 im Glauben an die Verantwortung zum Schutz des Planeten für uns Menschen zusammengetan. Es gibt eine Zeit des Lernens, der Weiterentwicklung, eine Zeit des Reflektierens und Nachdenkens. Jetzt müssen wir unser Können und Wissen in die Tat umsetzen!

Es ist an der Zeit zu handeln!

29.03.2026 • aktualisiert am 04.04.2026