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Foto Maria Hörmandinger

Repair Cafe Neulengbach

Wir lieben das gemeinsame Reparieren! 


Deshalb haben wir, Andreas Hargassner, Barbara und Peter Bach, Wolfgang Steinert, Udo Tschernuter, Michaela Schmitz und einige andere begeisterte Repairianer:innen 2018 das Repair Cafe in Neulengbach gegründet. Inzwischen haben wir ca. 12 begeisterte Helfer:innen, die sich regelmäßig einmal im Monat (immer am ersten Mittwoch) von 17:00 bis 20:00 im Startraum, Rathausplatz 5, Wiener Straße Top 2, 3040 Neulengbach zum Retten von Geräten treffen.

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Der Geist des Repair Café ist Hilfe zur Selbsthilfe. Reparaturen werden soweit wie möglich von den Besucher:innen selbst ausgeführt, wenn nötig mit Hilfe der anwesenden Repairianer:innen. Wir leisten Hilfestellung BEI der Reparatur. Das Repair Café ist rechtlich so zu betrachten wie Nachbarschaftshilfe.

5 Jahre Repair Cafe Neulengbach 2023, Foto Maria Hörmandinger

Warum ein Repair Cafe wichtig ist

Ein Repair Cafe ist weit mehr als nur ein Ort, an dem der wackelige Toaster oder die Lieblingsjeans gerettet werden. Es ist ein lebendiges Statement gegen die Wegwerfgesellschaft und ein Herzstück moderner Nachhaltigkeit direkt in deiner Nachbarschaft.

In einer Welt, in der „geplante Obsoleszenz“ (also der absichtliche Einbau von Schwachstellen in Produkte) oft zum Geschäftsmodell gehört, setzen Repair Cafes ein Zeichen. Sie bieten:

  • Hilfe zur Selbsthilfe: Man gibt sein Gerät nicht einfach ab, sondern repariert es gemeinsam mit Menschen, welchen die Reparatur ein Anliegen ist. Das können Expert:innen sein oder einfach Menschen, die gerne reparieren. Das nimmt die Angst vor der Technik.
  • Erhalt von Fachwissen: Handwerkliche Kniffe, die früher von Generation zu Generation weitergegeben wurden, finden hier ein neues Zuhause.
  • Sozialer Aspekt: Bei einem Repair Cafe treffen Menschen aufeinander, die sich im Alltag vielleicht nie begegnet wären. Es stärkt den sozialen Zusammenhalt.

Was es bewirkt: Mehr als nur weniger Müll

Die Wirkung eines Repair Cafes lässt sich auf drei Ebenen messen:

  1. Ökologisch: Jedes reparierte Gerät muss nicht neu produziert werden. Das spart wertvolle Ressourcen wie z.B. Wasser und Energie, die bei der Herstellung und dem Transport anfallen würden.
  2. Ökonomisch: Es schont den Geldbeutel der Bürger:innen. Reparaturen sind oft günstiger als Neukäufe, besonders wenn sie ehrenamtlich unterstützt werden.
  3. Psychologisch: Wir entwickeln wieder eine Wertschätzung für unsere Gegenstände. Ein repariertes Objekt hat eine Geschichte – es ist kein anonymes Wegwerfprodukt mehr.

Einordnung in die Kreislaufwirtschaft

In der klassischen Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) steht die Reparatur an oberster Stelle der Prioritätenliste, noch weit vor dem Recycling. Während beim Recycling das Produkt zerstört wird, um Rohstoffe zurückzugewinnen, bleibt beim Reparieren der höchste Wert des Produkts erhalten.

Innerhalb der sogenannten "R-Strategien" (Refuse, Rethink, Reduce, Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle, Recover) bildet das Repair Cafe die Brücke zwischen Reuse (Wiederverwendung) und Repair (Reparatur). Es verlängert die Nutzungsdauer massiv und sorgt dafür, dass Produkte so lange wie möglich im Kreislauf bleiben, bevor sie verwertet oder recycelt werden müssen.

Kurz gesagt: Das Repair Cafe verwandelt Konsumenten zurück in Nutzer:innen und macht aus Abfall wieder wertvolles Inventar.

Die Reparatur ist ein Akt der Autonomie

Wer repariert, hört auf, ein passiver Konsument zu sein, und wird zum aktiven Gestalter. Wir fordern das Recht auf Reparatur. Ein Gegenstand, den man nicht öffnen und verstehen kann, gehört einem nicht wirklich – man hat lediglich die Erlaubnis erworben, ihn für eine begrenzte Zeit zu nutzen.

Wider die Obsoleszenz

Die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten ist ökologisch und ökonomisch nicht vertretbar. Ein Produkt ist erst dann vollendet, wenn es reparaturfreundlich ist. Ein Design, das eine Reparatur ausschließt, ist kein gutes Design, sondern ein Fehlkonstrukt.

Wissen ist ein Gemeingut (Commons)

Das Wissen, wie man Dinge instand hält, darf nicht hinter den Mauern von Konzernzentralen verschwinden. In Repair Cafes, Offenen Werkstätten und FabLabs im gesamten DACH-Raum findet eine stille Revolution statt: die Demokratisierung von Fachwissen. Der Austausch zwischen dem pensionierten Ingenieur und der Studentin, zwischen der Schneidermeisterin und dem Hobby-Bastler hat eine soziale Komponente unserer Gesellschaft. Reparieren ist Bildung, die über das Klassenzimmer hinausgeht.

Ökologie

Jede Reparatur ist ein direkter Schutz unserer Lebensgrundlagen. In jedem Gerät stecken Wasser, Energie und die Arbeitskraft von Menschen. Wer repariert, zollt dieser Arbeit und diesen Ressourcen Respekt. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist die Reparatur ein hoher Ausdruck von Effizienz.

Das Recht auf Reparatur

Mit 30. Juli 2024 ist die EU-Richtlinie zum "Recht auf Reparatur" ("Right to Repair", kurz "R2R") in Kraft getreten. Unter bestimmten Voraussetzungen sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher innerhalb sowie außerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfristen das Recht erhalten, dass ihre Waren repariert werden. Dies gilt für Waren, welche nach EU-Recht technisch reparierbar sind, beispielsweise Waschmaschinen, Staubsauger oder Kühlgeräte. Mit der EU-Richtlinie sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher Waren reparieren lassen können, anstatt sie zu ersetzen, wenn ein Produkt beschädigt oder fehlerhaft ist.

Hintergrund: Das "Recht auf Reparatur"

Die EU-Richtlinie ist Teil des übergeordneten Ziels der Europäischen Kommission, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt zu werden. Eine 2022 durchgeführte Eurobarometer-Umfrage hat gezeigt, dass 77 Prozent der EU-Bürgerinnen und EU-Bürger eine persönliche Verantwortung für die Eindämmung des Klimawandels empfinden. Die EU-Richtlinie fördert daher die Reparatur als nachhaltige Konsumentscheidung, die zu den Klima- und Umweltzielen im Rahmen des europäischen "Green Deals" beiträgt.

Der entsprechende Richtlinien-Vorschlag war von der Europäischen Kommission am 22. März 2023 vorgelegt worden und ist Teil der "Neuen Verbraucheragenda" sowie des "Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft". Zudem ergänzt die Richtlinie EU-Vorschriften zur Förderung eines nachhaltigen Konsums, wie etwa die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, mit der die Herstellung reparierbarer Produkte gefördert wird.

https://www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/europa-aktuell/2024/07/recht-auf-reparatur-eu-richtlinie-in-kraft-getreten.html

Foto Maria Hörmandinger
29.03.2026 • aktualisiert am 04.04.2026