Kolumne: Wenn das Wasser fehlt
Ist Trockenheit eigentlich versichert?
Die Antwort aus Versicherungssicht ist zunächst ernüchternd: Trockenheit oder Dürre ist bei einem privaten Wohnhaus grundsätzlich kein klassischer Versicherungsfall. Eine Eigenheimversicherung deckt üblicherweise bestimmte, konkret vereinbarte Gefahren wie Feuer, Sturm, Leitungswasser oder bestimmte Naturereignisse. Dass der Garten vertrocknet, ein Brunnen weniger Wasser führt oder Pflanzen aufgrund anhaltender Trockenheit eingehen, bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Versicherung dafür aufkommt.
Interessant wird es bei den Folgen von Trockenheit. Längere Dürreperioden können Böden verändern, Vegetation schwächen und damit Risiken rund um Gebäude und Grundstücke beeinflussen. Genau hier lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte: Nicht jede Folge eines Naturereignisses ist automatisch von einer bestehenden Eigenheimversicherung umfasst. Entscheidend sind immer Ursache, Schaden und die tatsächlich vereinbarten Versicherungsbedingungen.
Für landwirtschaftliche Betriebe sieht die Situation anders aus. Dort können Dürre und andere Wetterextreme innerhalb kürzester Zeit die Ernte eines ganzen Jahres gefährden. Vielen ist dabei vermutlich gar nicht bewusst, dass sich hinter dem Namen „Hagelversicherung“ heute wesentlich mehr verbirgt als die Absicherung gegen Hagelschlag. Die Österreichische Hagelversicherung bietet für landwirtschaftliche Betriebe je nach Kultur und gewähltem Produkt auch Schutz gegen Risiken wie Dürre, Frost, Sturm, Starkregen oder Überschwemmung an.
Gerade bei Trockenheit gibt es spezielle Versicherungslösungen. Je nach Modell kann beispielsweise der tatsächliche Ertragsverlust maßgeblich sein oder ein Niederschlagsdefizit, das anhand von Wetterdaten ermittelt wird. Das zeigt sehr gut, wie sehr sich landwirtschaftliche Versicherungen mit den klimatischen Veränderungen weiterentwickelt haben. Für einen Betrieb geht es schließlich nicht nur um beschädigte Pflanzen, sondern um die wirtschaftliche Existenzgrundlage einer ganzen Saison.
Gleichzeitig verändert die Trockenheit auch die Art, wie wir bauen und investieren. Regenwasserspeicher, Bewässerungssysteme oder Anlagen zur Grauwassernutzung werden interessanter. Das ist aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung. Aus Versicherungssicht sollte dabei aber ein Punkt nicht vergessen werden: Wer sein Gebäude technisch erweitert, sollte prüfen lassen, ob die neue Anlage in der bestehenden Gebäudeversicherung ausreichend berücksichtigt ist. Was passiert beispielsweise bei einem Defekt, einem Wasseraustritt oder wenn durch eine technische Störung ein Folgeschaden am Gebäude entsteht?
Das klingt vielleicht paradox: Wir investieren in eine Anlage, weil Wasser knapp wird – und müssen uns gleichzeitig Gedanken über einen möglichen Wasserschaden machen. Aber genau so funktioniert gute Vorsorge. Neue Lösungen bringen neue Chancen und manchmal eben auch neue Risiken mit sich.
Die zunehmenden Wetterextreme sind für mich deshalb auch ein Anlass, bestehende Versicherungsverträge nicht einfach jahrelang in der Schublade liegen zu lassen. Ein Haus verändert sich, ein landwirtschaftlicher Betrieb entwickelt sich weiter, technische Anlagen kommen dazu – und auch die Umwelt, in der wir leben und wirtschaften, verändert sich.
Versichern können wir nicht, dass es morgen regnet. Aber wir können regelmäßig überprüfen, ob unsere Absicherung noch zu der Welt passt, in der wir heute leben.