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Textiles Upcycling regional gedacht

Eigentlich wurde mir das Arbeiten mit Stoffen buchstäblich in die Wiege gelegt. Während meine Mutter mit mir schwanger war, hat sie nämlich damit begonnen, Patchworkdecken zu nähen. Von 1993-2012 hatte sie sogar ein Stoffgeschäft, das sich auf Patchwork spezialisiert hatte (Christine Tomaschek von Exquisity Patchwork ist in der „Szene“ vielen ein Begriff). Die Reste vom Lagerbestand verarbeiten meine Mutter und ich bis heute... auch mein Nähstart hat mit einer Patchworkdecke begonnen: 1993 für meinen Erstgeborenen, damals noch mit der Hand genäht und gequiltet...
Foto Maria Hörmandinger

Mein erstes Upcycling-Stück

Zum textilen Upcycling bin ich im Sommer 2017 eigentlich eher aus Zufall gekommen. Mein Mann hat ein Hemd aussortiert, bei dem ich mir gedacht hab: „Das hat aber ein nettes Muster. Daraus könnte ich doch etwas nähen.“ So ist mein erstes „Upcycling-Stück“, ein lässiger Rock, entstanden. Aus den Ärmeln hab ich mit Unterstützung meiner ältesten Bonustochter, die Schneidermeisterin ist und zu dieser Zeit einen Nähkurs für Frauen in Karenz angeboten hat, eine Kinderhose für die Tochter einer Freundin genäht.

Dann habe ich mit dem Nähen von Hauben aus ausgemusterten T-Shirts und Hüftschmeichler aus Reststoffen gestartet.

Foto Maria Hörmandinger

Ideenwerkstatt

Eines Tages fragte mich Michaela Schmitz, ob ich auch Schürzen nähen könnte. Mein erster Gedanke: „Nein, viel zu kompliziert!“ Aber dann fielen mir wieder die Hemden ein und ich probierte, ein Hemd so zuzuschneiden, dass man es als Schürze verwenden kann – und es gelang.

Die nächste Idee kam wieder von Michaela: sie hatte feste Banner von der Egon-Schiele-Ausstellung in Neulengbach bekommen und wollte daraus Pflanzsäcke genäht haben. Auch diese Herausforderung habe ich gerne angenommen. Einige Pflanzsäcke prägen seitdem das Ortsbild von Neulengbach und werden von Michaela liebevoll bepflanzt und gegossen.

Mittlerweile habe ich unzählige feste und Netz-Banner aus der Region zu Pflanz- und Laubsammelsäcke, Badetaschen, kleine Täschchen, Shopper, etc ... verarbeitet, die in der Kunsthandwerksgalerie art & wiese verkauft werden. Dort gibt es auch noch andere Produkte aus Stoffresten von mir: kleine Täschchen, sog. Autschifanten und -bären (Kirschkernkissen in Elefanten- bzw. Bärenform).

Außerdem stricke ich farbenfrohe Stulpen mit „Waugerln“ aus Merinowolle, anfangs aus Wollresten und Abverkaufsknäueln, mittlerweile aus Farben, die mir selbst gefallen – dann strickt es sich leichter.

Foto Maria Hörmandinger

Ich arbeite gerne auf Bestellung

Am liebsten mache ich textiles Upcycling auf Bestellung. Hier ein paar Beispiele:

Eine Kollegin aus der Kunsthandwerksgalerie wünscht sich ein Kluppentäschchen, das sie auf ihren Wäscheständer hängen kann.

Eine liebe Freundin bringt ein Kleid aus ihrer Jugend mit einem wunderschönen Aufdruck einer Künstlerin und wünscht sich daraus eine Tasche.

Der Verein Zeit Zeugen bringt uns die Banner der letzten Ausstellung und freut sich über Taschen aller Art.

Mir gefällt daran besonders der Nachhaltigkeitsgedanke, die Dinge bekommen neues Leben eingehaucht, werden wieder verwendet, getragen, geliebt und nicht weggeworfen. Meine Kreativität und Vorstellungskraft werden dadurch gefordert und gefördert und außerdem unterstützt es die „Slow Fashion“-Bewegung.

Was bedeutet textiles Upcycling eigentlich?

Kleidung, die nicht mehr passt oder schadhafte Stellen hat, wird nicht entsorgt, sondern etwas Neues daraus genäht. Es ist eine kreative, nachhaltige Alternative zu wegwerfen oder spenden (Kleiderspenden stellen oft ein großes ökologisches Problem dar!)

Beim Upcycling wird ein Stoff nicht, wie beim Recycling, zerlegt, sondern die Grundstruktur bleibt meist erhalten. Die alte Kleidung wird repariert umgestaltet oder neu kombiniert, es entsteht ein Unikat mit persönlicher Note. Das spart Ressourcen, vermeidet Müll und macht den Kleiderschrank einzigartiger. Und es bleibt, wie bei dem Beispiel mit dem Kleid, ein Stück Erinnerung erhalten.

Mehr Infos und Petition von Greenpeace ...

29.03.2026 • aktualisiert am 04.04.2026