Seitenbereiche:

Suche:

Wo Altes neu geformt wird

Kreative Kreislaufwirtschaft im Wienerwald


Ein ausgedienter Vorhang, ein ausrangiertes Werbebanner oder der Verschnitt einer Teppichproduktion: Was für viele wie Abfall wirkt, ist für mich wertvolle Energie. Mit meinem Label „bandha“ zeige ich, Daniela Unger, in meiner Wahlheimat Altlengbach, wie aus Altem Neues entsteht – und warum Upcycling weit mehr ist als ein ökologisches Statement.

Wir leben in einer Zeit der textilen Überfülle. Ein Blick in die aktuellen Daten des Umweltbundesamtes (Studien DP184 & REP-0912) offenbart eine Bilanz, die zum Umdenken anregt: Jährlich fallen in Österreich rund 221.800 Tonnen Textilabfälle an. Rund 61 % davon stammen direkt aus privaten Haushalten – das sind etwa 25 kg pro Person. Besonders problematisch: Textilien, die einmal im Restmüll landen, sind für den Kreislauf unwiederbringlich verloren. Da die weltweite Quote für echtes „Faser-zu-Faser“-Recycling bei unter einem Prozent liegt, werden derzeit noch immer 90 % der Textilabfälle in Österreich energetisch verwertet – das heißt, sie werden schlicht verbrannt.

Mit jedem Stoff, der in der Mülltonne landet, geht nicht nur Material verloren, sondern auch die enorme Energie, die in den Anbau, die chemische Bearbeitung und die globalen Transportwege geflossen ist. Da Heimtextilien wie Vorhänge oder Tischwäsche fast 40 % des Abfalls ausmachen, setze ich mit meinem Unternehmen genau hier an. Um diese Verschwendung zu stoppen, nutze ich das Prinzip des Upcyclings: Vorhandene Stoffe werden direkt aufgewertet, bevor sie im Entsorgungssystem verschwinden. Das schont Ressourcen und ist der effektivste Weg, den Wert der Fasern zu erhalten.

bandha - Daniela Unger

Slow Fashion:

Wertschätzung statt Wegwerfmentalität


In einer Welt der Fast Fashion, in der Kleidung oft als Wegwerfprodukt behandelt wird, verstehe ich bandha als bewussten Gegenentwurf. Es geht um Slow Fashion – eine Bewegung, die Entschleunigung und Transparenz in den Vordergrund stellt. Während die globale Textilindustrie oft hinter undurchsichtigen Lieferketten operiert, ist bei bandha jeder Schritt nachvollziehbar: vom Fundort des Stoffes über mein Atelier in Altlengbach bis hin zum fertigen Unikat bleibt die Geschichte des Produkts greifbar.

Dieser Ansatz verändert die Beziehung zwischen Mensch und Gegenstand. Eine Tasche von mir ist kein austauschbares Massenprodukt, sondern ein Begleiter mit Seele. Wo die Industrie auf Kurzlebigkeit setzt, setze ich auf Widerstandskraft. Das Upcycling führt hier zu einer neuen Form der Wertschätzung: Ein Stoff, der bereits Jahre überdauert hat, beweist seine Qualität und Reißfestigkeit oft eindrucksvoller als neu produzierte Billigware.

Diese Philosophie deckt sich mit der zukunftsweisenden EU-Textilstrategie, die darauf abzielt, die "Wegwerfmode" bis 2030 endgültig zu beenden. Die Strategie sieht vor, dass Produkte künftig langlebiger und leichter reparierbar sein müssen. Ein zentraler Punkt ist zudem die Einführung eines digitalen Produktpasses, der Auskunft über die Herkunft und die Kreislauffähigkeit der Materialien gibt. Auch das Vernichten von unverkauften Textilien soll verboten werden, um die massive Ressourcenverschwendung einzudämmen.

Darüber hinaus rückt die EU die sogenannte „Erweiterte Herstellerverantwortung“ in den Fokus. Das bedeutet, dass Produzenten künftig für den gesamten Lebensweg ihrer Produkte – bis hin zur Entsorgung – verantwortlich gemacht werden. Während große Modekonzerne vor der gewaltigen Aufgabe stehen, ihre giftigen und CO₂-intensiven Produktionsketten umzubauen, lebe ich mit bandha dieses Prinzip bereits heute. Durch die stoffliche Wiederverwertung vor Ort wird der ökologische Fußabdruck drastisch gesenkt, da weder neue Rohstoffe gewonnen noch über Kontinente verschifft werden müssen.

Während die Industrie noch nach Lösungen sucht, wie sie ihre komplexen Lieferketten nachhaltig gestalten kann, zeige ich mit bandha bereits im Kleinen, wie die Wirtschaft von morgen funktioniert: lokal, transparent und radikal ressourcenschonend. Ich gebe Textilien, die laut Statistik längst auf einer Mülldeponie gelandet wären, einen neuen Nutzwert und zeige, dass Design und Umweltschutz keine Kompromisse erfordern.

bandha - Daniela Unger

Mein Weg ins Grüne

Hinter bandha steht meine persönliche Geschichte: Ursprünglich habe ich Eventmanagement studiert, doch das Nähen wurde schnell vom Hobby zu einer Leidenschaft und schließlich zur Berufung. 2018 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Ursprünglich im Burgenland, später in Wien beheimatet, habe ich mein kreatives Zentrum mittlerweile ganz bewusst ins Grüne nach Altlengbach verlegt.

Der Name ist dabei Philosophie: „bandha“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „bewahren“, „Verschluss“ oder „zentrieren“. In jedem Stoff steckt bereits Energie – und indem gebrauchte Textilien verwendet werden, bewahre ich genau diese Energie.

Mein Motto „Creating Conscious Carry“ steht für Taschen, die Verantwortung tragbar machen.

Vom Vorhang zur Tasche: Handwerk statt Fließband

Der Weg vom alten Stoff zum fertigen Rucksack erfordert Präzision. Bevor meine Nähmaschine gestartet wird, prüfe ich das Material: Hält das Gewebe dauerhafter Belastung stand? Erst wenn die Qualität überzeugt, geht es an den Zuschnitt – ein Prozess, der beim Upcycling einem Puzzle gleicht.

Im Gegensatz zur industriellen Fertigung, bei der Schnittmuster effizient auf makellose Stoffrollen gelegt werden, verlangt Upcycling volle Aufmerksamkeit für das vorhandene Material. Ich muss um verblasste Stellen, Flecken oder kleine Webfehler herumplanen. Das erfordert Vorstellungsvermögen, um Muster und Strukturen so zu platzieren, dass sie auf der fertigen Tasche ihre optimale Wirkung entfalten. Oft gibt der Charakter des Stoffes das endgültige Design vor. Um höchste Funktionalität zu gewährleisten, werden die gebrauchten Textilien gezielt mit robusten, wasserfesten Materialien kombiniert. Das Ergebnis ist ein langlebiges Produkt, das den hohen Anforderungen des modernen Alltags souverän standhält.

bandha - Daniela Unger

Rohstoffe mit Geschichte

Die Materialien für die bandha Produkte beziehe ich aus unterschiedlichsten Quellen. Ein großer Teil stammt von Kund*innen, die den Kreislaufgedanken unterstützen. Freund*innen, Bekannte und die Familie kontaktieren mich, wenn ungenutzte Textilien anfallen.

Auch der Austausch mit anderen Kunsthandwerker*innen oder die Verwertung von Filzteppich-Resten einer niederösterreichischen Firma sind Teil des Konzepts.

Regelmäßig finden sich Schätze auf Kleidertausch-Partys. Ich greife dort oft bewusst nach den Stücken mit den kleinen Löchern, die sonst niemand mehr will – was für andere wertlos ist, wird bei mir zum Ausgangspunkt für ein neues Design. Wenn die Qualität stimmt, aber die Farbe nicht zum Projekt passt, färbe ich die Stoffe ein und lasse so individuelle Farbtöne und Muster entstehen.

Kunst, Design und soziales Engagement

In den letzten Jahren habe ich mit bandha den handwerklichen Aspekt um eine künstlerische Ebene erweitert. Ich kooperiere regelmäßig mit verschiedenen Künstler*innen, um exklusive Designs und Stoffe zu kreieren. Durch diese Synergien entstehen Taschen, die textile Kunstwerke sind.

Das Besondere: Man sieht den Produkten ihren Ursprung oft nicht auf den ersten Blick an. Sie wirken modern und hochwertig – das klassische „Öko-Image“ weicht einem zeitlosen Design-Anspruch.

Nachhaltigkeit endet nicht an der Nähmaschine. Für den Zuschnitt der Taschen arbeite ich derzeit mit der Emmausgemeinschaft St. Pölten zusammen, um auch eine soziale Ebene in mein Unternehmen zu integrieren. Emmaus ist ein sozialer Betrieb, der Menschen in schwierigen Lebenslagen durch Wohnprojekte und Arbeitsintegration unterstützt, um ihnen einen Weg zurück in ein stabiles, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Auch mit Jugend am Werk in Innermanzing habe ich bereits an einem ähnlichen Projekt gearbeitet.

Konsequent ist auch die Materialwahl: bandha ist komplett vegan, auf tierische Produkte wie Leder, Wolle oder Seide wird verzichtet.

Ein Stück Neulengbach zum Mitnehmen: Kooperation mit Raumwagen

Ein besonderes Projekt ist die Zusammenarbeit mit dem Verein Raumwagen aus Neulengbach. Hier werden ehemalige Werbenetzbanner, die im Stadtbild zu sehen waren, vor der Mülltonne gerettet. Jedes Stück ist ein absolutes Unikat: Oft finden sich auf den Taschen Fragmente von Veranstaltungsdaten, Namen oder das bekannte Neulengbacher Schaf wieder. Aus dem robusten Netzmaterial entstehen Tote Bags, praktische Waschtascherl, Schlüsseltäschchen und Federpenale.

Diese Kollektion ist ein Statement für regionale Kreislaufwirtschaft und ein Stück gelebte Stadtgeschichte zum Umhängen.

Viele der fertigen Produkte sind in der Kunsthandwerksgalerie „Art und Wiese“ in Neulengbach zu finden.

Inklusives Design und persönlicher Service

bandha Taschen sind für den echten Einsatz gebaut: robust, mit durchdachten Fächern und stets mit längenverstellbaren Gurten. Ein spezieller Service im Sinne der Inklusion: Da jeder Körper individuell ist, biete ich Gurt-Anpassungen und Sondergrößen kostenlos an.

Wer selbst ein Erbstück oder einen Stoff mit ideellem Wert besitzt, etwa einen alten Vorhang oder ein geliebtes Kleidungsstück, kann eine Tasche im „Custom Design“ in Auftrag geben.

Auch Reparaturen führe ich gerne durch – ganz nach dem Motto „Erhalten statt Ersetzen“.

Nach vorheriger Terminvereinbarung öffne ich gerne die Türen meines Ateliers in Maiß.

Kontakt und Information

Termine und Märkte im Frühling

  • 11./12.04.: Kunst- und Designmarkt, Ottakring (Wien)
  • 25./26.04.: Edelstoff, Marx Halle (Wien)

bandha – Daniela Unger, Steinbruchgasse 7, 3033 Altlengbach

Web: www.bandha.at | E-Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, zum Ansehen müssen Sie in Ihrem Browser JavaScript aktivieren.> | Telefon: 0660/8584577

Social Media: instagram.com/bandha_vienna | facebook.com/bandha.vienna

Quellenangabe zu den Umweltzahlen: Umweltbundesamt Österreich, Studien DP184 „Den Textilkreislauf schließen“ (2023) und REP-0912 „Kulturwandel – Kaufverhalten und Nutzung von Textilien“ (2024).

bandha - Daniela Unger
24.03.2026 • aktualisiert am 04.04.2026