Der Raum_Wagen ist auch für alle offen: In Kooperation mit morgenjungs und der Website imGrätzl.at war es möglich den Wagen für eigene Veranstaltungen kostenfrei anzumieten. So entstand ein Nachbarschaftsessen, organisiert von einer Bewohnerin des Wiener Flur für Freund*innen und Bekannte, aber jede*r war willkommen und durfte sich dazusetzen, mitessen und Zeit dort verbringen. imGrätzl.at ist eine Online-Plattform, die lokale Selbstständige, Kleinstunternehmen, Vereine und Kulturschaffende in ihren Stadtteilen vernetzt. Die Plattform macht die Vielfalt in den Grätzeln sichtbar und fördert neue Formen der Zusammenarbeit. Über 10.000 lokale Macher*innen nutzen bereits Services wie den Raumteiler zum Teilen von Flächen und Räumen [4].
Fünf Wochen Präsenz waren wahrscheinlich zu kurz, um die Bekanntheit zu erlangen, die Menschen ermutigt hätte sich diesen Ort weiter anzueignen. Es braucht Zeit und Vertrauen bis Menschen öffentliche Räume nach ihren Bedürfnissen gestalten und nutzen. Ob durch den Raum_Wagen als Ort, selbstorganisierte Veranstaltungen, temporäre Sitzgelegenheiten oder kulturelle Interventionen – Raumaneignung verwandelt anonyme Plätze in lebendige Begegnungsorte und spielt eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt [5].
Während der fünf Wochen wurden Befragungen zur Attraktivität der Veranstaltungen und auch zur eigenen Mobilität realisiert. Es wurde deutlich, dass das Angebot sehr positiv bewertet wurde - insbesondere die Atmosphäre und Aufenthaltsqualität. Auch die persönlichen Gespräche mit Bewohner*innen waren durchweg positiv. Neugier, Begeisterung und Lust auf mehr: Viele äußerten den Wunsch nach einer dauerhafteren kulturellen und sozialen Infrastruktur im Grätzl.
Aber was bedeutet das für unsere 15-Minuten-Stadt am Stadtrand? Die Befragung konnte Hinweise darauf geben, dass, wenn Menschen andere Orte für Kaffee, Kino, Fahrrad Reparatur etc. aufgesucht hätten, sie mehr Zeit und längere Strecken in Kauf genommen hätten bzw. in Kauf hätten nehmen müssen. Aufgrund der Nähe sind die meisten Besucher*innen zu Fuß gekommen, das schafft Sichtbarkeit und Frequenz im Grätzl. Der Weg selbst wird Teil des Erlebnisses – entspannt, gesund und klimafreundlich.
Der erste Abend geht zu Ende und die Kinoleinwand wird dunkel. Viele Besucher*innen gehen zurück in ihre Wohnungen oder Richtung U-Bahn, um in andere Heimatbezirke zu fahren. Sessel werden wieder gestapelt und verladen und die Leinwand wird abgebaut. Eine Popcornspur im Gras bleibt. Das VolxKino zieht in ein anderes Grätzl weiter.
Nach fünf Wochen Reallabor werden fast 300 Menschen den Raum_Wagen und die angedockten Veranstaltungen besucht haben. Und was bleibt? Das Forschungsprojekt läuft noch bis Ende 2026.Aktuell werden Daten analysiert und über eine Weiterführung reflektiert. Den Bedarf gibt es bestimmt. Die Frage ist, was von der lokalen Bevölkerung, vom Bezirk, Vereinen etc. aufgegriffen und weitergetragen wird.