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Stromausfall in Berlin

Und was wir im Elsbeere Wienerwald daraus lernen können


Der Stromausfall in Berlin war kein mysteriöses Ereignis und kein Zeichen mangelnder Stromerzeugung. Seine Ursache war klar benennbar: Eine zentrale Verbindungsleitung zu einem großen gasbetriebenen Kraftwerk wurde beschädigt. Infolge dieser Unterbrechung konnte das Kraftwerk seinen Strom nicht mehr ins Netz einspeisen. Obwohl die Anlage selbst technisch intakt war, fiel sie faktisch aus – mit weitreichenden Folgen für die Versorgung ganzer Stadtteile.

Damit ist eines entscheidend festzuhalten: Der Berliner Stromausfall entstand nicht, weil erneuerbare Energien versagten oder zu wenig Leistung zur Verfügung stand, sondern weil ein zentrales fossiles Großkraftwerk durch den Ausfall seiner Netzanbindung wirkungslos wurde. Ohne funktionierende Leitungen ist auch die größte konventionelle Erzeugungsanlage nicht in der Lage, Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Gerade dieser Umstand macht den Vorfall so lehrreich. Er zeigt, dass die Frage der Versorgungssicherheit weniger vom Energieträger abhängt als von der Struktur des Energiesystems. Hochzentralisierte Erzeugung mit wenigen Einspeisepunkten schafft kritische Abhängigkeiten. Wird eine dieser Verbindungen unterbrochen, sind die Auswirkungen unmittelbar und großräumig.

Gerade deshalb lohnt es sich, aus regionaler Perspektive nüchtern zu analysieren, welche Lehren wir daraus ziehen können – auch und gerade hier im Elsbeere Wienerwald.

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Stromausfall ist nicht Blackout – warum diese Unterscheidung entscheidend ist

In der öffentlichen Debatte werden die Begriffe „Stromausfall“ und „Blackout“ häufig vermischt. Technisch und systemisch handelt es sich jedoch um grundlegend unterschiedliche Ereignisse – mit völlig unterschiedlichen Folgen.

Ein örtlicher Stromausfall entsteht meist durch beschädigte Leitungen, Trafostationen oder andere Netzelemente. Er betrifft ein begrenztes Gebiet, bleibt auf einer regionalen Netzebene und ist technisch beherrschbar. Die Wiederherstellung erfolgt durch Reparatur, Umschaltung oder Ersatzversorgung.

Ein Blackout hingegen ist ein großflächiger Zusammenbruch des Stromsystems. Er geht mit einem massiven Frequenz- und Spannungseinbruch einher, betri3t ganze Länder oder mehrere Staaten gleichzeitig und erfordert einen komplexen Netzwiederaufbau („Schwarzstart“). Die Auswirkungen reichen weit über Strom hinaus – Verkehr, Kommunikation, Wasserversorgung und medizinische Infrastruktur sind betroffen.

Dass dieser Unterschied keine theoretische Abgrenzung ist, zeigen zwei reale europäische Ereignisse der jüngeren Vergangenheit.

Kroatien / kontinentales Europa – Jänner 2021: Beinahe-Blackout

Im Jänner 2021 kam es in einer Umspannanlage in Kroatien zu einem schweren technischen Zwischenfall. Innerhalb von Sekunden spaltete sich das kontinentaleuropäische Stromnetz in zwei Teile. In weiten Teilen Europas – von Frankreich bis Polen – kam es zu deutlichen Frequenzabweichungen.

Nur durch automatisierte Schutzmechanismen, Lastabwürfe und das koordinierte Eingreifen der europäischen Netzbetreiber konnte ein vollständiger Blackout in weiten Teilen Europas verhindert werden. Millionen Haushalte waren nur Sekunden von einem großflächigen Stromausfall entfernt.

Dieses Ereignis zeigte eindrucksvoll:

  • Wie eng die europäischen Stromnetze miteinander verbunden sind.
  • Wie schnell lokale technische Probleme systemische Auswirkungen haben können – zum Glück wurde in Berlin richtig und rasch gehandelt!
  • Und wie entscheidend stabile Netze, Redundanzen und schnelle Reaktionsmechanismen sind.

Iberische Halbinsel – April 2025: echter regionaler Blackout

Noch deutlicher wurde die Dimension eines Netzversagens im April 2025 auf der Iberischen Halbinsel. In Spanien und Portugal kam es zu einem großflächigen Blackout, ausgelöst durch den plötzlichen Ausfall mehrerer Erzeugungs- und Netzkomponenten und eine unzureichende Abkopplung vom restlichen europäischen Netz.

Die Folgen waren gravierend:

  • Millionen Menschen ohne Strom über Stunden,
  • Stillstand von Bahn- und U-Bahn-Systemen,
  • Ausfälle bei Mobilfunk und Internet,
  • massive Einschränkungen für Krankenhäuser, Wasserversorgung und Wirtschaft.

Dieses Ereignis war kein lokaler Stromausfall, sondern ein systemisches Versagen – mit
unmittelbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

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Berlin im Vergleich: lokal begrenzt, nicht systemisch

Im Vergleich dazu wird klar: Der Stromausfall in Berlin war kein Blackout. Das überregionale deutsche und europäische Stromnetz blieb stabil, es kam zu keinen Frequenzproblemen, keiner Netzspaltung und keinen europaweiten Effekten. Ursache war eine gezielte Beschädigung von Netzinfrastruktur auf regionaler Ebene – nicht das Versagen des Energiesystems insgesamt.

Gerade dieser Vergleich ist wichtig, um die richtigen Schlüsse zu ziehen: Berlin zeigt keine Systemschwäche Europas, sondern die Verwundbarkeit zentralisierter Netzinfrastruktur auf lokaler Ebene.

Die eigentliche Lehre: zentrale Systeme sind verletzlich

Was Berlin – ebenso wie Kroatien 2021 und die Iberische Halbinsel 2025 – deutlich macht, ist die strukturelle Verwundbarkeit hochzentralisierter Energiesysteme. Je stärker Energieerzeugung, -transport und -steuerung konzentriert sind, desto größer sind die Auswirkungen einzelner Störungen.

Für Regionen wie den Elsbeere Wienerwald liegt darin eine klare Botschaft:
Dezentralität erhöht Resilienz.

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Regionale Energie im Elsbeere Wienerwald: Stärke durch Gemeinschaft

Die Region Elsbeere Wienerwald ist geprägt von Gemeinden mit hoher Lebensqualität, engagierter Bevölkerung und starkem regionalem Zusammenhalt. Diese Qualitäten spiegeln sich zunehmend auch in der Energieversorgung wider. Über regionale Photovoltaikanlagen und Energiegemeinschaften wird Strom dort erzeugt und genutzt, woer gebraucht wird.

Was oft abstrakt klingt, lässt sich im Elsbeere Wienerwald bereits konkret belegen. In den Energiegemeinschaften der Region sind mittlerweile mehr als 1.200 Mitglieder aktiv, die über rund 2.000 Zählpunkte hinweg Strom miteinander austauschen. Im ersten Betriebsjahr wurden bereits über 1.000.000 Kilowattstunden regional erzeugter Ökostrom innerhalb der Region genutzt.

Allein in den ersten sechs Monaten konnten die Mitglieder dadurch mehr als 44.000 Euro an Netzkosten und Gebühren einsparen. Diese Einsparungen kamen direkt den Haushalten und Betrieben zugute und konnten anderweitig in der Region investiert werden – ein wesentlicher Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und wirtschaftlichen Stabilität.

Gleichzeitig profitieren auch jene, die Strom erzeugen. Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaikanlagen erhielten innerhalb der Energiegenossenschaft insgesamt rund 27.000 Euro über dem üblichen Marktpreis für ihren eingespeisten Strom. Dieser Mehrerlös blieb vollständig in der Region und stärkte Investitionsbereitschaft und Ausbau regionaler Erzeugung.

Entscheidend dabei ist: Trotz dieser höheren Einspeiseentgelte werden die Mitglieder der Energiegemeinschaft weiterhin kostengünstig mit regionalem Strom versorgt. Möglich wird das durch den Wegfall eines Großteils von Netzentgelten, Abgaben und Margen sowie durch die direkte Organisation von Erzeugung und Verbrauch innerhalb der Region.

Ein zentrales Qualitätskriterium der Energieversorgung im Elsbeere Wienerwald ist dabei die Preissicherheit. Statt kurzfristiger Marktpreise oder volatiler Börsenschwankungen erhalten die Mitglieder stabile, planbare Jahrespreise für ihren Strom. Gerade in Zeiten stark schwankender Energiepreise ist diese Verlässlichkeit ein wesentlicher Standortund Lebensqualitätsfaktor – für private Haushalte ebenso wie für regionale Betriebe.

Die Erfahrung zeigt: Regionale Energie kann gleichzeitig fair für Erzeuger, leistbar für Verbraucher und stabil im Preis sein. Genau diese Kombination macht Energiegemeinschaften im Elsbeere Wienerwald zu mehr als einem technischen Modell – sie sind ein Instrument regionaler Versorgungssicherheit.

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Zukunftsperspektive: Effizienz, Speicher und Schwarmspeicher

Die Energiewende endet nicht bei der Erzeugung – sie beginnt dort erst richtig. Zentral dafür sind Speicherlösungen, die den erzeugten Strom dann verfügbar machen, wenn er gebraucht wird.

Hierzu konnten die Mitglieder der Energiegenossenschaft selbst Erfahrungen sammeln:

Grafiken zu einem Tagesverlauf einer PV-Anlage mit 20 kWh Batteriespeicher verdeutlichen, wie sich mittels Speicherung die Einspeisung zeitlich verschieben lasst. Zeitig in den Morgenstunden wird bereits Strom aus den Speichern über die Energiegemeinschaft ausgespeist. Morgens ist der Speicher noch teilweise geladen, wird aber nicht gleich mit Solarstrom beladen, sondern der überschüssige Solarstrom fließt ebenfalls in die Energiegemeinschaft. Während der Mittagszeit, wo die Überschüsse in der Gemeinschaft am größten sind, werden die Speicher wieder gefüllt, dass diese für die Nachtstunden wieder optimal gefüllt sind. Damit reduzieren wir die Mittgasspitze! Ein Bild, das die nahtlose Integration von Erzeugung und Nutzung veranschaulicht.
Diese Beispiele zeigen die netzdienliche Wirkung: Durch die gezielte Entladung in Zeiten ohne Sonne werden Lastspitzen gedämpft und die Gemeinschaftsstromversorgung stabilisiert – ein entscheidender Beitrag zur regionalen Resilienz.

Diese Erfahrungen aus den Versuchsanlagen im Jahr 2025 werden in der Region im Jahr groß ausgerollt. Mittels Workshops werden die Informationen verbreitet und das Wissen vermittelt. Eines ist klar: Die Chancen der Steuerung in der Energiegemeinschaft bieten große Potentiale, um Anlagen intelligenter betrieben zu können, dass sie die Bedürfnisse der Region optimal bedienen und das Entgelt für die Eigentümer:innen steigern, statt nur nach reinem Marktpreis zu produzieren.

Elektromobilität und bidirektionales Laden: der Schwarmspeicher

Ein großer Zukunftsschritt ist die Integration von Elektrofahrzeugen als mobile Speicher. Ähnlich wie die gezeigten stationären Batteriespeicher sollen künftig auch bidirektional ladbare E-Autos ihren Strom nicht nur aufnehmen, sondern bei Bedarf wieder abgeben.

Stellt Euch vor, dass nicht nur unsere Heimspeicher-Anlagen aktiviert werden, sondern dutzende Fahrzeuge, die sich über den Tag auf- und entladen und so gemeinsam als Speicher wirken können. Erste Versuche am Bauhof Neulengbach zeigen, dass deren Kapazitäten bei Bedarf in die Energiegemeinschaft genutzt werden können. Das ist der Gedanke des regionalen Schwarmspeichers – ein Netzwerk vieler kleiner Speicher, das eine gemeinsame, wetterunabhängige Energieversorgung ermöglicht.

Solche Szenarien wirken netzdienlich:

  • Überschussstrom kann tagsüber lokal gespeichert werden,
  • nachts oder bei hoher Nachfrage wieder zurückfließen,
  • das Netz wird entlastet und die regionale Versorgung stabilisiert.

Die Visualisierung dieser Dynamiken – über Speicherkurven, Lade- und Entladeverläufe – hilft zu verstehen: Regionale Energieversorgung ist kein statisches System, sondern ein dynamisches Netzwerk, und je intelligenter die Steuerung, desto robuster wird das Gesamtsystem.

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Denkwerkstatt Klima- und Energiemodellregion Elsbeere Wienerwald

Die Klima- und Energiemodellregion (KEM) Elsbeere Wienerwald versteht sich als regionale Denkwerkstatt für eine zukunftsfähige Energieversorgung. Ihre Aufgabe ist es, neue Wege zu entwickeln, zu skizzieren und in der Praxis zu erproben, damit die Energiewende in der Region erfolgreich umgesetzt werden kann. Dabei werden technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen gleichermaßen berücksichtigt.Die KEM fungiert als Impulsgeberin für Innovationen und bringt regelmäßig neue Ideen ein, die in enger Zusammenarbeit mit Gemeinden, Betrieben, Energiegemeinschaften und Forschungspartnern weiterentwickelt werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, konkrete Fragestellungen aus der Region aufzugreifen und daraus Forschungsaufgaben abzuleiten, die zu belastbaren Erkenntnissen und praxisnahen Lösungen führen.

Aktuell sind zwei Forschungsprojekte in Umsetzung, die sich mit zentralen Zukunftsthemen der regionalen Energieversorgung beschäftigen. Darüber hinaus sind weitere Aktivitäten geplant, um die Energiegemeinschaften im Elsbeere Wienerwald gezielt weiterzuentwickeln, ihre Effizienz zu steigern und die regionale Versorgungssicherheit langfristig zu stärken.

Verfasst von Matthias Zawichowski

Das sagt die KI über mich:

Matthias Zawichowski ist als Regional- und Projektentwickler und Experte für Elektromobilität in Niederösterreich bekannt. Er gilt als Pionier der Energiewende – besonders in der Region Elsbeere Wienerwald. 

Aktuelle Tätigkeiten

Teilhabender Geschäftsführer von im-plan-tat: Er leitet dieses technische Büro für Raumplanung seit dem Jahr 2002, das sich auf innovative Mobilitäts- und Energiekonzepte für Gemeinden und Regionen spezialisiert hat.

Manager der KEM-Region Elsbeere Wienerwald: Seit 2012 fungiert er als Klima- und Energie-Modellregionsmanager für diesen Zusammenschluss von 13 Gemeinden. Zuvor war er für die Region als Leader-Manager seit 2008 tätig.

Vorstand und Obmann: Er bekleidet leitende Funktionen in mehreren Mobilitätsorganisationen, darunter als Obmann des Vereins carsharing Österreich.

Engagement in Energiegemeinschaften: Er ist Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Elsbeere Wienerwald und treibt aktiv die Vernetzung lokaler Ökostrom-Erzeuger voran. 

Fachliche Schwerpunkte

Elektromobilität: Aufbau von Ladeinfrastruktur und E-Carsharing-Modellen im ländlichen Raum.

Bidirektionales Laden: Erforschung und Umsetzung von Systemen, bei denen E-Autos als Batteriespeicher für das Stromnetz fungieren.

Energieraumplanung: Verbindung von Siedlungsentwicklung mit nachhaltigen Energie- und Ressourcenkonzepten. 

Auszeichnungen

Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Preise, darunter den VCÖ-Mobilitätspreis 2021, die Auszeichnung als KEM-Manager des Jahres 2022, Nachhaltiger Gestalter Österreichs im Jahr 2022 sowie den Österreichischen Solarpreis 2024

DI Matthias Zawichowski

+43 676 750 90 22

Klima- und Energiemodellregion Elsbeere Wienerwald

3040 Neulengbach, Hauptplatz 2

www.elsbeere-wienerwald.at/kem

Energiegenossenschaft Elsbeere Wienerwald

3040 Neulengbach, Umseer Straße 28

www.eeg-elsbeerewienerwald.at

veröffentlicht am 29.01.2026