Slow Travel: Entschleunigt die Welt entdecken
Auch ich bin vor vielen Jahren dem Charme des „Fear of Missing Out“ erlegen. Meine Devise lautete: Wenn ich schon reise, möchte ich auch „alles“ sehen. Wochen später, als ich zu Hause meine entwickelten Fotos abholte und betrachtete, stellte ich jedoch fest, dass ich gar nicht mehr genau wusste, wo viele dieser Bilder entstanden waren. Dieses kleine Aha-Erlebnis brachte mich dazu, meine Art zu reisen zu hinterfragen.
Ich begann mir Fragen zu stellen: Ist weniger manchmal mehr? Kann mein Geist im gleichen Tempo mithalten wie mein Körper? Was möchte ich auf Reisen wirklich entdecken, erleben und verstehen und warum reise ich eigentlich?
Seitdem lautet mein Motto: bewusster reisen, langsamer genießen, länger verweilen und näher zu reisen. Um Landschaft, Kultur und Menschen wirklich mit allen Sinnen wahrzunehmen, braucht es vor allem eines: Zeit, die es erlaubt, tiefer einzutauchen, um Erinnerungen zu schaffen, die über Fotos hinaus bestehen.
Vor Ort schlendere ich durch kleine Ortschaften, genieße das bunte Treiben, anstatt nur Sehenswürdigkeiten „abzuhaken“. Dabei entstehen oft überraschende Gespräche. Ich besuche Märkte und kleine Läden, kaufe Produkte direkt bei den Menschen vor Ort und unterstütze so die lokale Wirtschaft.
Den Tag verbringe ich damit, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Kanu unterwegs zu sein. In dieser entspannten Atmosphäre nehme ich die Landschaft aus immer neuen Blickwinkeln wahr und stärke gleichzeitig meine körperliche und mentale Fitness.
Slow Travel zeigt, dass Reisen nicht immer spektakulär oder weit entfernt sein muss. Oft liegen spannende Ziele ganz in der Nähe, wie beispielsweise eine Wanderung zu einer Naturfreundehütte. Die mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifizierte Gföhlberghütte wurde von den Mitgliedern der Naturfreunde-Ortsgruppe Eichgraben in über 14.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden errichtet. Verwendet wurde Lärchenholz, das nach Mondphasen geschlägert wurde.
Für mich ist Slow Travel ein Lernprozess: Ich probiere Neues aus, entdecke andere Sichtweisen und nehme Impulse für den Alltag mit. Diese Art zu reisen steht für Entschleunigung, Nachhaltigkeit und echte Begegnungen mit Menschen, Natur und Kultur.
Wer langsam reist, erlebt nicht nur Orte, sondern auch sich selbst auf eine intensivere Weise.
Anna Kodek arbeitet als Projektleiterin des von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit geförderten Programms “Reisen mit Respekt” bei den Naturfreunden Internationale. --> Website ...