Wurmkompostierung
Kompostierung von Bioabfall ...
Mir ist dabei allerdings aufgefallen, dass der Kreis sehr groß und mit vielen Transportwegen und Behandlungsstufen verbunden ist.
Also - Müll getrennt sammeln, dann zu Sammelstellen bringen, Abholung mit LKW, Anlieferung beim bearbeitenden Betrieb, Nachsortierung (man glaubt nicht, was alles in Biotonnen landet), Zerkleinerung, Bearbeitung in Mieten inkl. mehrmaligen Umsetzens, Sieben und Sichten, Verpacken, Lagern, Großhandel, Einzelhandel, Abholung und Transport zur Verbrauchsstelle….
Und die Verbrauchsstelle befindet sich meist in unmittelbarer Umgebung der Entstehungsstelle, nämlich im eigenen Haushalt und Garten.
Wir haben keinen eigenen Garten, also hat die Eigenkompostierung wenig Sinn.
Da wurde ich einmal auf die Wurmkompostierung aufmerksam. Wenig Platzbedarf, geschlossenes System, keine Transportwege - das wäre doch einen Versuch wert!
Uns schon ging es los. Recherchen im Netz, Erfahrungsberichte, Systeme, Blogs, man will sich ja schlau machen, bevor man sich in solche Abenteuer stürzt.
Über indoor-Wurmkomposter habe ich mich nicht gewagt, aber wir haben zwei Balkone und so wurde der nordseitige mal dafür gewidmet.
Von den Systemen haben wir uns für die Wormsystems GmbH (wurmkiste.at) entschieden und als Kompromiss für draußen die WurmBox aus recycletem Kunststoff gewählt.
Starterset inkl. Wurmpopulation war in wenigen Tagen im Haus und schnell ein Biotop aufgebaut.
Was gibt es zu berichten bzw. zu beachten?
Deshalb nur einige persönlichen Erfahrungsberichte:
Strukturmaterial:
Ich habe mit (möglichst unbehandelten) Kartonschnipseln begonnen, Wellpappe in kleine Stücke geschnitten bietet Feuchteausgleich, Struktur, Belüftung, Kohlenstoff, Kinderstube und noch viel mehr.
Ich habe das ganze kombiniert mit Laub von Laubbäumen (keine Walnuss und Eiche) und Sträuchern und auch noch Küchenabfällen, die eher gehäuft anfallen und trocken haltbar sind (Mandelhaut, Pistazienschalen, holzige Gemüse und Blumenanteile, Zerkleinerte Nuss- und Maronischalen, Steinobstkerne bis Kirschkerngröße etc.)
Geheimnis: Zerkleinerungsgrad
Sonderfälle:
Sogar Kerne von Avocados und Mangos lassen sich so bestens verwerten
Für Zwiebel und andere Zutaten mit viel Senföl oder etherischen Ölen gilt dasselbe. Die Menge macht das Gift bzw. die Vergrämung der Würmer.
Kälte:
Es stand der erste Winter vor der Tür und ich vor der Entscheidung:
- Komposter indoor lagern
- System in der Natur auswildern
- Würmer der Kälte aussetzen und schauen, was übrig bleibt
- Winterfeste Lösung suchen
Folgende Ergebnisse lagen nach kurzer Zeit vor:
- Zu der Zeit tummelten sich hunderte (oder doch tausende?) Trauermücken im Komposter, als indoor eher lästig
- Das hätte bedeutet, die Kompostierung ein halbes Jahr aufzugeben und wieder neu aufzusetzen
- Vermutlich jede Menge erfrorene oder flüchtende Würmer, stark reduzierte Kompostierung und langsame Erholung durch frisch geschlüpfte Würmer im Frühling
- Keine Kompstierung in den Wintermonaten
Das klang mir auch nicht berauschend, also musste eine Winterlösung her.
Winterfeste Wurmkompostierung:
Es sollte eine Kombination aus Isolierung und sanfter Zusatzheizung sein. Ich stöberte, kramte, spekulierte und konstruierte letztlich
- Eine Isolierbox aus XPS-Platten (ja ich weiß, nochmal Kunststoff :-()
- Mit einer Terrarien-Heizschlange
- Und einem Thermostat
Etwas bastlerischer Einsatz und das System war einsatzbereit. Inzwischen war der Turm um einige Etagen gewachsen und in einer davon wurde für die Heizung untergebracht.
Der Effekt war überzeugend und in der Übergangszeit reichte nächtliches Einhausen. Bei reduzierten Tagestemperaturen blieb die Kiste auch tagsüber geschlossen, außer zur Fütterung und Lüftung. Die gewünschten 15 Grad lassen sich bei Plusgraden recht einfach halten und die Heizung springt nur sporadisch an.
Bei anhaltenden Minustemperaturen heizt das Gerät (mit 50 Watt) schon ein paar Stunden am Tag. Die Lüftung/Fütterung habe ich dann entsprechend auf einmal pro Woche reduziert.
Einziger ernstzunehmender Zwischenfall in zwei Wintern: Bei einer langen Frostperiode wurde einmal die Heizetage überhitzt und einige Würmer sind verendet. Das ließ sich durch einfaches Nachjustieren der Heizung aber in Folge verhindern.
Hitze:
Im Sommer haben die Würmer dann eher ein Problem mit zu hohen Temperaturen (und fehlender Rückzugmöglichkeit in tiefere Schichten).
Abhilfe bieten:
Schattiger und luftiger Standort, morgendliches Lüften und aktive Kühlung (ich habe immer nasse Handtücher auf den Turm gehängt. Bei extremer Hitze helfen Kühlakkus oder Eiswürfel.
Manchmal ist halt Einsatz gefordert, die Würmer haben jedenfalls nie total unglücklich dreingeschaut.
Samen:
Das heißt aber auch, alle Pflanzen, die man nicht in der Komposterde haben möchte, darf man nicht in den Komposter einbringen!
Man tut sich relativ leicht mit unseren Kulturpflanzen, wie Tomaten, Kürbisse, Gurken, Paprika…., die keimen gut und man kann die überschüssigen relativ leicht gleich wieder kompostieren oder als Mulch verwenden. Bei einem Feldblumenstrauß oder gar Jätabfall sollte man aber Vorsicht walten lassen. Und auch abgeblühte Blütenköpfchen entwickeln mittelfristig reichlich keimfähige Samen! Da kann man sich schon lästige Besucher heranziehen.