Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere
Die Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere macht sich auf den Weg!
Nachdem im Jahr 2007 der „Verein zur Erhaltung, Pflege und Vermarktung der Elsbeere“ gegründet wurde, der sich in den folgenden 15 Jahren hauptsächlich der Bewusstseinsbildung gewidmet hat, kann nun dazu übergehen werden, dem Ganzen unsere ganz persönliche Begleitung anzubieten.
- Was wurde schon erreicht?eine ansehnliche Produktvielfalt
- hunderte junge Elsbeerbäume wurden gepflanzt
- Veranstaltungen besucht und abgehalten
- Bücher und Fachliteratur verfasst
- Filme (DVD, „zu Tisch“ -ARTE, ...) gedreht
- das „Elsbeerreich“ gegründet
- dem „Oröwen“ (abrebeln) das immaterilelle UNESCO-Kulturerbe verliehen
- der Leader-Region die Elsbeere in den Namen geschrieben („Elsbeere Wienerwald“)
- und als erstem Produkt in Österreich die Slow-Food PRESIDI-Anerkennung zuerkannt
- und vieles mehr
Und diesem Slow-Food Gedanken folgend, wollen wir nun der Elsbeere in Form der „Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere“ unsere weitere Unterstützung zusichern.
Aber der Reihe nach.
Was ist denn Slow-Food überhaupt? Und was ein Presidi?
Slow Food ist eine globale Bewegung, die sich für den Erhalt der Lebensmittelkulturen und -traditionen einsetzt, für ein moderates Lebenstempo einsteht und eine zukunftsfähige Esskultur schaffen möchte, in der sich die KonsumentInnen bewusst sind, woher die Produkte stammen und welche Auswirkungen ihr Konsumverhalten auf die Welt hat.
Slow Food International ist in über 160 Ländern aktiv und hat Projekte zum Schutz der Biodiversität und dem Erhalt und der Förderung der Vielfalt im Lebensmittelangebot.
Der Leitsatz Slow Foods lautet: gut – sauber – fair.
Gut im Sinne von frischen, saisonalen und gesunden Lebensmitteln, die sauber im Einklang mit der Natur produziert worden sind und die eine faire, angemessene Bezahlung aller Beteiligten sichern.
Im Jahr 2007 begann aktiv die Suche nach dem 1. „Presidi-Produkt“ Österreichs.
Aber was sind überhaupt Slow Food „Presidi“?
Es sind sogenannte Förderkreise, die Kleinerzeuger schützen und hochwertige handwerkliche Produkte bewahren helfen.
Ein kurzer Blick in die Geschichte der Förderkreise1: „Das Projekt der Förderkreise entstand 1999 in Italien als ausführende Phase der Arche des Geschmacks. Die Arche hatte Hunderte von Produkten katalogisiert, die vom Aussterben bedroht waren: Mit den Förderkreisen beschloss Slow Food, einen weiteren Schritt zu tun und konkret in die Welt der Erzeugung einzutreten, um die Produktionsorte kennen zu lernen, die Erzeuger zu treffen, ihre Produkte und ihr Wissen zu fördern.
Die beiden ersten “Arbeitsgruppen” entstanden im Piemont mit dem Vorhaben, die Kapaun-Rasse Cappone di Morozzo wieder einzuführen, und in der Toskana mit dem Förderkreis der Zolfino-Bohne. Am Anfang war es nicht einfach, die Bedeutung dieser Projekte zu erklären: Die häufigsten Reaktionen waren Misstrauen bei den Erzeugern und Ratlosigkeit bei den öffentlichen Stellen, aber nach wenigen Monaten hatten die Förderkreise die Startphase überwunden.
Ein entscheidender Umschwung war der Salone del Gusto in Turin im Jahr 2000.
Der Messebereich mit den ersten 90 italienischen Förderkreisen erregte bei weitem das größte Interesse bei Presse und Besuchern. Nach jenem Jahr wuchs das Projekt weiter, und zwar nicht nur in Italien, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt. Beim Salone del Gusto 2002 wurden die ersten 19 internationalen Förderkreise vorgestellt. In zwei Jahren hat sich ihre Zahl mehr als verdreifacht, aber das ist nicht alles: Um die Förderkreise herum sind Themen, Ideen, Strategien entstanden, die in einen großen Bereich beim Salone del Gusto 2004 bildeten und in zahlreiche “Workshops der Erde” und Treffen von Terra Madre (dem “Welttreffen der Lebensmittelbündnisse”, Turin 19.-23. Oktober 2004) einflossen.
Diese Projekte sind häufig glänzende Beispiele für nachhaltige Entwicklung, Motoren für die lokale Wirtschaft, Anreize für einen umweltfreundlichen Tourismus und vieles mehr.“1
Heute (Stand April 2026) gibt es über den Globus verteilt 698Presidi. Durch die Mobilisierung des Slow Food Netzwerkes unterstützt die Stiftung die Presidi zur Verbesserung der Produktionstechniken, zur Fortbildung der Erzeuger und zur Stärkung der lokalen und internationalen Nachfrage.
Es war von Beginn an ein klarer Fall für das von der Slow Food Stiftung für Biodiversität (The Slow Food Foundation for Biodiversity) geführte Projekt „Arche des Geschmacks“. Die Elsbeere passte von Anfang in dieses Projekt, im Rahmen dessen weltweit regional bedeutende Lebensmittel, Nutztierarten, Kulturpflanzen und traditionelle Zubereitungsarten geschützt werden und so vor dem Verschwinden und Vergessen bewahrt werden.
Barbara van Melle, Bernd Kajtna und Peter Zipser († 2019) waren damals die treibenden Kräfte und im Jahr 2007 „entdeckten“ sie die Elsbeere. Es folgte ein reger Austausch von Informationen welche Anforderungen ein Presidi zu erfüllen hat und was die Elsbeere „zu bieten hat“.
Unsere Zielsetzungen als Presidi waren:
- Die Erhaltung des Baumbestandes, indirekt auch durch die Ernte der Früchte
- Die wirtschaftlichere Nutzung (Ernte) bei Bäumen, welche nicht oder nicht mehr beerntet werden (können) und somit verbunden eine Erhöhung der Produktionsmenge.
- Die Auspflanzung von Jungbäumen durch Veredelung mit den vom vorhandenen Altbestand besonderen Eigenschaften (Fruchtung, Geschmack, Ertragshäufigkeit).
- Die Präsentation der Region „Elsbeerreich“ unter Einbeziehung der hier in kleinbäuerlichen Betrieben hergestellten Produkte (Direktvermarktung).
Raimondo Cusmano und Serena Milano führten diese Delegation im Frühjahr 2008 an und endlich, am 28.8.2008 traf mittels E-Mail die Benachrichtigung ein, dass wir einen Förderkreis aufstellen können und dieser „Wiesenwienerwald Elsbeerbaum“ heißen soll. Und wir nun offiziell das erste „Presidi“ Österreichs sind!
Die Elsbeere – korrekt: die Wiesenwienerwald Elsbeere – die auf großkronigen und freistehenden Elsbeerbäumen wächst, mit mandel-marzipanähnlichen Geschmack sind in dieser Region einzigartig und dieses Erbe soll für kommende Generationen bewahrt und erhalten bleiben.
Unvergessen bleiben wird die Präsentation der Elsbeere auf der Terra Madre 2008 in Turin, wo wir einem internationalen Publikum unser Tun im „Elsbeerreich“ vorstellten und schon viele verschiedene Elsbeerprodukte mit am Stand hatten. Inmitten einer bunten Schar an Produzenten aus vielen Ländern der Erde wurde uns bewusst, wie einmalig und besonders die Elsbeere ist. Und Gleiches erlebten wir bei Euro-Gusto 2009 in Tours, Frankreich.
Mittlerweile weitere Presidi in Österreich:
Das Steirische Grubenkraut, die Leithaberger Edelkirschen, das Lesachtaler Brot, den Lungauer Tauernroggen, den Roten Veltliner, das Waldstaudekorn, das Walviertler Blondvieh, den Wiener Gemischter Satz, ...
Neben den Presidi werden in Österreich unter der „Arche des Geschmacks“ Produkte und Produzenten vor den Vorhang gebeten, die sich ebenfalls dem „Slowfood“-Gedanken gut-sauber-fair verpflichtet fühlen aber nicht alle Kriterien der Presidi erfüllen können, trotzdem aber unbedingt genannt werden sollen:
Brabanter Krapfen, Bregenzerwälder Gebsenbergkäse, Breinwurst, Donabirne, Ennstaler Bergschecke, Gailtaler Almkäse, Hauszwetschge, Honigschnitte, Ilzer Rosenapfel, Innviertler Abgereifter, Krainer Steinschaf, Kritzendorfer Ribisel, Laufener Landweizen, Lungauer Rahmkoch, Millionentaler, Montafoner Sura Kees, Nussecken, Pfauengerste, Pielachtaler Dirndl, Pöllauer Hirschbirne, Riese von Aspern, Rote Holzbirne, Roter Steirischer Hausmais, Schmidberger Renette, Siebenkant, Speierling aus dem Weinviertel, Spenling aus dem Weinviertel, Steirische Schafnase, Steirischer Maschanzker, Subirer, Sulmtaler Huhn, Talggen
Tiroler Grauvieh, Tiroler Spitzlederer, Uhudler, Vorarlberger Riebelmais, Waldschaf
Waldviertler Kriecherl, Waldviertler Scheckerl, Weingartenknoblauch, Weingartenpfirsich, Wiener Beinschinken, Wiener Schnecke, Wildschönauer Krautinger (Stand Dezember 2021)
Wie stellen wir uns nun das Leben der „Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere“ vor?
10 Menschen haben sich im Herbst 2025 entschlossen, diese Gemeinschaft zu gründen. In erster Linie waren es Protagonisten der ersten Stunde, aber bereits auch Menschen, die noch kein „Naheverhältnis“ zur Elsbeere haben. Sondern nur den Willen, diesem Baum, dieser Frucht eine gewisse Aufmerksamkeit und etwas Zeit zu schenken. Und jetzt soll sich dieser Kreis erweitern.
Die Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere wird sich vor allem jenen Themen widmen, die für viele ins tägliche Leben hineinspielen. Dem bewussten Einkauf und der Verarbeitung wertvoller Lebensmittel, der Freude, sich der Natur und dem Jahreskreislauf stärker zu widmen aber natürlich der Wissensvermittlung rund um die Elsbeere. Und da gibt es noch viel Neues zu erkunden (...).
Die Slow-Food Gemeinschaft Elsbeere ist Teil von Slow-Food Österreich und kann sich den damit verbundenen Möglichkeiten der Präsentation oder dem Austausch untereinander erfreuen. Dazu habe ich einige Links zur Information angefügt.
Im Jänner 2026 gab es z. B. ein Vernetzungstreffen in Seeham, Salzburg. Mit Verantwortlichen von Slow Food Österreich, SprecherInnen von sogenannten Convivien, VertreterInnen von Arche-Produkten und interessierten KöchInnen verbrachten wir zwei Tage mit intensivem Austausch und fuhren mit der Überzeugung heim, einem sinnvollen Zukunftsprojektes anzugehören.
Zum Kennenlernen von Slow Food darf ich auch noch zwei Tage in Wien ankündigen: 26./27. Juni 2026, in der „Markterei“, 9. Bezirk, Wien.
Wenn nun das Interesse geweckt wurde, darf ich, als Sprecher der Gemeinschaft, meine Adresse zur Kontaktaufnahme anbieten:
Norbert Mayer, Mail: <Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, zum Ansehen müssen Sie in Ihrem Browser JavaScript aktivieren.>, Tel.: +43 664 3508953; Mayerhöfen 1, 3074 Michelbach, „Haus der Elsbeere“
Der Beitritt zur Gemeinschaft ist mit keinen Kosten verbunden.
https://www.fondazioneslowfood.com/en/slow-food-presidia/wiesenwienerwald-chequer-tree/